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Was geschieht, wenn man an der falschen Stelle spart …

Ich habe mich hier ja schon gelegentlich darüber ausgelassen (hier und hier), dass Werbe- und Presseagenturen in den letzten Jahren vor lauter Kreativität und durchgestylten Kampagnen des Öfteren darauf vergessen, das es nicht schlecht wäre, in der Agentur auch jemanden zu haben, der der deutschen Sprache mächtig ist.

Stimmt schon, wir alle machen Fehler (ich auch, und wie) aber bei einer ganzseitigen Anzeige für eine Luxusuhr auf der Rückseite der Wochenendbeilage einer Qualitätszeitung, die sowieso nur 49 Worte enthält – die Anzeige, nicht die Zeitung -, würde ich doch erwarten, dass man den Text mit einer gewissen Sorgfalt erstellt. Weil billig war die Anzeige sicher nicht.

Und wenn ich dann einen Satz wie: „Wenn Können die Welt in Atem hält, wurde Geschichte geschrieben“ lese, dann ist das viele Geld für die Anzeige auch noch völlig für die Katz. Also zumindest bei Menschen wie mir. Weil ich finde das peinlich. Andererseits gehöre ich, zugegeben, auch nicht zur  Zielgruppe für Luxusuhr-Werbung. Vielleicht stören sich Leute mit zuviel Geld ja nicht an so Kleinigkeiten.

Burkhart Sonntag: Wege nach Lyonesse

Cover: Wege nach Lyonesse (©Ich lese ja nur eher selten etwas anderes als Krimis, Phantastik und Science-Fiction, aber da Burkhart Sonntag offenbar ein Mann mit erlesenem Büchergeschmack ist (siehe hier), war ich neugierig, wie er schreibt.

Sein Buch „Wege nach Lyonesse“ ist schwer einem Genre zuzuordnen. Wäre es ein Film würde es wohl als Roadmovie bezeichnet werden. Aber das Genre gibt es bei Büchern nicht, also meines Wisens nach. Es ist die Erzählung über die Reise eines Mannes quer durch Europa und zu sich selbst. Mich hat es an Hans Bemmanns Stein und Flöte erinnert, nur das es gänzlich ohne Phantastik auskommt.

Geschrieben ist es sehr gut, schöne und flüssig zu lesende Sprache, gutes Tempo, interessante und glaubhafte Charaktere, gut recherchierte Schauplätze, und die Spannung ist immer hoch genug, um weiterlesen zu wollen.
Kurz mir hat es gefallen obwohl ich es vermutlich nicht gelesen hätte, wäre ich nicht durch die Rezension von „Professor Koslows Äthermaschine“ auf den Autor aufmerksam geworden, weil es nicht in mein übliches Buchsuch- und Beuteschema fällt. Was schade gewesen wäre.

„Wege nach Lyonesse“ gibt es als Taschenbuch um EUR 9,99 oder als Ebook um 99 Cent, letzteres allerdings nur bei Amazon.

Die Webseite des Autors findet man hier: http://blog.burkhard-sonntag.de/

Zwitscher: Autoren

Ich glaube, Autoren lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

Die, die Bücher schreiben.
Die, die auf ihrem Blog über das Schreiben schreiben.
Und die, die auf Facebook und Co über das Autorsein schreiben.

Ich strebe eine Mitgliedschaft in der ersten Gruppe an.

Zwitscher

Warum lächeln mich alle zustimmend an, wenn ich mein „Komischer Kautz“ T-Shirt anhabe, aber keiner, wenn ich mein „Iron Man“ T-Shirt trage?

Der Anfang der Geschichte

Der Anfang einer Geschichte sollte tunlichst das Interesse des Lesers wecken, damit der das Lesen nicht gleich wieder sein lässt. Soweit sind sich alle einig, mit Ausnahme vielleicht von Literaturkritikern und den Leuten, die die Bücher kaufen, die von Literaturkritikern besprochen werden, um sie sich zum Angeben ins Regal zu stellen.

Über die Frage, wie man einen Interesse weckenden Anfang schreibt, darüber gibt es jede Menge (und jetzt noch einen mehr) Blogeinträge, Ratschläge, Ratgeber, ja ganze Schreibseminare. Ich habe eine erkleckliche Anzahl davon gelesen und habe trotzdem immer noch Schwierigkeiten, einen guten Anfang zu schreiben.

Denn außer das Interesse wecken, sollte der Anfang einer Geschichte noch zwei weitere Kriterien erfüllen:

Das erste ist, dass ein guter Anfang auch zum Textgenre passen sollte. Natürlich kann man (Schreib-)Regeln brechen und sollte das auch gelegentlich tun, aber wenn man einen Hardboiled-Gumshoe-Krimi mit der Beschreibung von Schmetterlingen beginnt, die über eine Blumewiese tanzen, geht man ein ziemliches Risiko ein. Selbst wenn die Schmetterlinge sich dann auf einer blutüberströmten Leiche niederlassen, die malerisch zwischen den Butterblumen liegt. Warum? Weil man die Genreleser dadurch vergrault. Die erwarten nun einmal, dass ein Hardboiled-Gumshoe-Krimi damit beginnt, dass der Detektiv am Schreibtisch seines kleinen heruntergekommenen Büros im heruntergekommenen Mietshaus im heruntergekommenen Teil der Stadt sitzt und überlegt, ob er die letzten fünf Dollar (Euro, Pfund, was auch immer) lieber für Zigaretten oder für Whiskey ausgeben soll.
Das heißt jetzt nicht, dass man nicht auch mit den Schmetterlingen und den Butterblumen anfangen kann, aber dann werden das Buch halt erst einmal nur Leute ohne bestimmte Erwartungshaltung lesen. Oder Leute, die auf der Suche nach einem Thriller sind, aber die werden das Buch wiederum nur zufällig in die Hand nehmen, weil es ja als Hardboiled-Gumshoe-Krimi firmiert.
Jetzt schreibe ich aber in einem, relativ gesehen, jungen Genre. Einem, dass außerdem weniger durch die Geschichten selbst, als durch die Art wie die Geschichten erzählt werden, definiert ist. Und das daher keine etablierten Anfänge kennt. Behaupte ich jetzt einmal.

Das zweite Kriterium ist, dass der Anfang den Tonfall/die Stimme des Textes erkennen lassen sollte. Humorvoll, brutal, detailversessen, technikorientiert, gefühlvoll, poetisch, etc. etc.
Als Leser ist dieses Kriterium für mich sogar oft das ausschlaggebende. Wenn ich den Tonfall nicht mag, dann kann es noch so spannend und rätselhaft und passend zum Genre anfangen, ich werde das Buch nicht lesen. Auf der anderen Seite habe ich schon Bücher erstanden, deren Anfang ich eher mau fand, wo mir aber der Tonfall ausnehmend gut gefallen hat. Nicht alle davon fand ich dann auch wirklich gut, aber fast immer unterhaltsam zu lesen, eben wegen des Tonfalls. Während Bücher, die einen fesselnden Anfang haben, ja bisweilen danach stark nachlassen. Und wenn es dann nicht einmal, in Ermangelung eines besseren Wortes, angenehm zu lesen ist, weil der Ton für meinen Geschmack viel zu schrill oder was auch immer ist, dann war es das dann.
Meiner Meinung nach ist das der schwierigste Teil, was das Schreiben von Anfängen angeht, einen Ton treffen mit dem man sich beim Schreiben wohlfühlt und der dem Leser des betreffenden Genres wohlgefällig die Synapsen umschmeichelt.

Und falls jetzt jemand bis hierher gelesen hat, in der Hoffnung einen Tipp zu bekommen, wie man denn nun einen guten und passenden Anfang schreibt: tut mir leid, ich habe keine Ahnung. Ich mache es so, dass ich solange Anfänge schreibe, bis ich einen habe, den ich als einigermaßen brauchbar ansehe, oder ich das Gefühl habe, besser wird es im Moment nicht. Dann schreibe ich weiter. Weil wenn es dann ans Überarbeiten geht, dann hat man schon wieder viel mehr Gefühl für die Geschichte und die Charaktere und bekommt dann hoffentlich einen besseren Anfang hin. Wobei ich mich ja der Hoffnung hingebe, dass mit mehr Erfahrung das Prozedere etwas schneller wird. Immerhin, beim aktuellen Buch habe ich nur viermal angefangen, bei Koslows Äthermaschine waren es noch sechs oder sieben Anfänge. Wird doch!

Grüße
wortringender wortschmied

Mal wieder: Übers Überarbeiten

Ich bin zwar zur Zeit am ganz anderen Ende der Baustelle „Buch“ beschäftigt, sprich damit, die Erstfassung einer neuen Geschichte zu Papier (ok, in den PC zu tippen) zu bringen, aber weil ich gestern den einen Eintrag entdeckt habe und den anderen noch im Kopf hatte, gibts hier zwei Links zu Texten über das Überarbeiten, die ich beide sehr lesenswert finde:

ganz frisch von Dieter Paul Rudolph:
https://dprwerkstatt.wordpress.com/2017/05/04/ueberarbeiten-mit-lektorenattituede-1/
schon etwas älter aber immer noch gut von Andreas Eschbach:
http://www.andreaseschbach.com/schreiben/10punkte/10punkte.html

Sonstig gibt es nicht viel zu berichten, das berichtenswert wäre. Wie erwähnt, habe ich ein neues Buch angefangen, das heißt, eigentlich habe ich seit Jahresanfang drei neue Bücher angefangen, aber zwei davon erstmal wieder sein lassen. Beim ersten fehlte dem Plot noch das gewisse Etwas und beim zweiten hatte ich mich mit dem Hauptcharakter ein wenig übernommen. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch deutlich mehr über Nora die Distelgarde-Gardistin herausfinden muss, bevor ich ihre Geschichte aufschreibe.

Dafür ist aus einem unerwarteten Eck (Rumgeblödel bei einem Email) Esche und ihre Geschichte aufgetaucht, nahezu aufschreibensfertig. Also dass heißt, es gibt noch eine Menge Detailfragen zu klären, aber das gibt es immer. Aber der Hauptplot steht. War eine interessante und für mich neue Erfahrung, das eine Geschichte einfach so auftaucht und auch nach einer Woche noch nicht ins Unerzählbare mutiert ist (was bei meinereinem schon mal vorkommen soll, gerüchteweise). Bin gespannt, wie das jetzt weitergeht.

Grüße
wortschmied

 

 

Österreichische Luftschifffahrt

Steampunk und Luftschiffe sind wie Würstel und Senf: Man kann die Würstel auch ohne essen, aber besser schmeckt‘s mit Senf. Und weil Steampunk im Prinzip historische Science-Fiction ist, versuchen die meisten Autoren, solange es geht, bei dem tatsächlich Möglichen zu bleiben oder darauf aufzubauen, bevor sie dann irgendwann zu extrapolieren anfangen. Anders gesagt, ich glaube es gibt nicht allzu viele Steampunk-Autoren, die nicht schon ein paar Stunden Recherche zum Thema Luftschiffe betrieben haben.

Da stößt man dann unweigerlich als Erstes auf die Luftschiffe des Ferdinand Graf von Zeppelin, dessen Name ja zu einem Synonym für Luftschiff wurde. Man findet auch Informationen über englische, französische, spanische und amerikanische Luftschiffe. Was man nicht so ohne Weiteres findet, schon weil man erst einmal wissen muss, dass man danach suchen kann, sind Informationen über die österreichische Luftschifffahrt, deren Blütezeit von 1908 bis 1914 gerade einmal 6 Jahre dauerte. Oder wussten sie, dass es in Fischamend eine militär-aëronautische Anstalt mit zwei Luftschiffwerften gab?
Ich hab es bis letzten Donnerstag auch nicht gewusst. Da war ich auf einer Buchpräsentation. Vorgestellt wurde von den beiden Autoren Ing. Rudolf Ster und Ing. Reinhard Ringl das Buch „Die k.u.k. Militär-Aëronautische Anstalt Fischamend. Band 1 Die grosse Zeit der k.k. Luftschiffe 1908-1914“. Es ist mit 28 Euro vielleicht nicht ganz billig aber definitiv sein Geld wert. Jede Menge Hintergrundinformationen, Biographien und nicht zu vergessen Abbildungen, Pläne und Zeitungsfaksimiles. Als Recherchematerial für Steampunkautoren auf jeden Fall zu empfehlen und für Autoren historischer Romane auch. Was ich hiermit getan habe.

Umschlagbild

Die k.k.k militär-aëronatuische Anstalt Fischamend (© Carina-Verlag)

Die k.u.k. Militär-Aëronautische Anstalt Fischamend
Band 1 Die grosse Zeit der k.k. Luftschiffe 1908-1914
Carina Verlag, 216 Seiten
ISBN: 978-3-9503429-8-7