Skip to content
Tags

,

Der Schreiberling und die Ideen

27. Februar 2017

„Woher nimmst du nur all die Ideen?“ ist angeblich die Frage, die Autoren am häufigsten gestellt wird – und die sie am meisten nervt. Ich kann das nicht beurteilen, weil mich fragen die Leute eher so Sachen wie “Steampunk? Was soll das sein?“ und „Glaubst du nicht auch, das Bücherlesen Zeitverschwendung ist?“.

Aber ein oder zwei Mal bin ich auch schon gefragt worden, wo ich denn meine Ideen hernehme. Alsdern: Meine Ideen kommen genau daher, wo auch die Ideen aller anderen Leute herkommen. Und ich habe keine Ahnung woher das ist. Fragen Sie einen Gerhirnforscher. Der Unterschied zwischen den Leuten, die Geschichten schreiben und denen, die keine schreiben ist, dass die ersteren sich ihre Ideen merken oder aufschreiben. Quasi einpflanzen. Eine Idee, jede Idee ist ein Geschichtensamen, den man einpflanzen oder wegwerfen kann.

Aber mit dem Einpflanzen ist es noch nicht getan. Man muss den Ideensamen gießen, wenn es trocken ist. Und wenn es kalt ist, mit einem Reisigbündel zudecken. Und wenn die Sonne runter brennt, ein Schattensegel darüber stellen. Und dann wachsen lassen.

Und irgendwann, nach drei Stunden oder drei Jahren, treibt die Idee aus und wird eine Geschichte. Erst ist sie vielleicht ein zartes Pflänzchen und braucht viel Zureden um zu wachsen. Eine andere Idee fängt gleich wild an zu wuchern und man kommt kaum nach, die sich ineinander verschränkenden und verwirrenden Äste zu beschneiden, bevor das Ganze zu einer undurchdringlichen Hecke wird, die selbst Dornröschens Prinz zu einem Berufswechsel verleiten würde.

Und irgendwann hat man dann einen Geschichtenbaum, mal ist es eine stolze Eiche mit weit ausladenden Ästen, mal eine schlanke Birke, die silbrig und leicht emporstrebt, mal ein Mammutbaum, der wächst und wächst und wächst, und wieder ein anderes Mal eine moosüberwucherte, verästelte Eibe.

Und so wie es verschiedene Gärten gibt, gibt es Autoren, die nur ein, zwei oder drei Pflanzen liebevoll hegen und welche, die einen ganzen Wald auf einmal aufforsten. Aber alle kümmern sich um ihre Ideenpflanzen und das ist der Unterschied und das ganze Geheimnis.

Also abgesehen davon, dass, wenn der Baum ausgewachsen ist, die Arbeit erst wirklich anfängt. Weil so wie es eine Menge Arbeit ist, aus einem Baum Papier zu machen, ist es eine Menge Arbeit aus einem Ideenbaum eine niedergeschriebenen Geschichte zu machen. Und an diese Arbeit sollte ich mich jetzt besser wieder machen.

Grüße
wortschmied

Advertisements

From → Schreibhandwerk

2 Kommentare
  1. Sehr poetisch Herr Wortringer, jetzt weiß ich auch warum diese botanischen Fragen. 🙂
    Bei mir gibt es ja eher nur wild wucherndes Gestrüpp, nen Mammutbaum (der ist allerdings gedanklich schon bei Band vier 😉 ) und den Rest der Samen werfe ich gedankenlos in den Wind wie eine Graspflanze und kümmere mich nimmer drum ….

    • Ich habs ja eh schon mal gesagt: du solltest einen Ideensamen-Handel aufmachen 😉

      Und ja, meine Fragen waren Recherche. Wobei mir gerade auffällt, dass die in dem Bild oben fehlt. Könnte man aber noch reinnbringen. So in der Richtung, besonders gewissenhafte Ideen-Gärtner forschen nach, auf welchem Boden die jeweilige Pflanze am besten wächst und womit man sie düngen kann. So in der Richtung. Und aus.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: