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Qualitätssicherung

10. September 2013

Jede Firma, die etwas auf sich hält, hat eine Abteilung zur Qualitätssicherung. Schranktüren werden stundenlang von einem Roboterarm geöffnet und geschlossen, in der Eisfabrik werden immer wieder Stichproben genommen und von glücklichen Testern geschleckt 1), in der Programmierwerkstätten sitzen ein paar arme Hanseln im Keller und versuchen tage- und wochenlang das Programm zum Absturz zu bringen 2) und das neueste Smartphone wird vom Chef höchstpersönlich einmal zum Facebook-Status-Updaten verwendet, dabei fallen gelassen, worauf es zerbricht aber trotzdem in Massen produziert wird. Und als Zubehör gibt es eine Schutzhülle aus Edelstahl um teures Geld.

Aber wie ist das nun mit neuen Geschichten? Früher, so las ich, saßen in den Verlagen Leute, die hießen Lektoren und die waren dafür verantwortlich, die Fehler im Text auszumerzen, bevor das Werk in den Druck ging. Heutzutage, so lese ich, ist das nicht mehr so, oder nur mehr in Ausnahmefällen. Heutzutage ist das eher die Aufgabe der Literaturagenten, wenn der Autor denn einen findet. Oder es passiert eben nicht. So kommen dann Bücher auf den Markt, wo die Handlung dermaßen unlogisch ist, dass der Leser nur mehr mit den Augen rollen, den Ohren schlackern und das Buch im Altpapier entsorgen kann. Ja, die Zeiten ändern sich.
Was aber tun, wenn man als Schreiberling und im Besonderen als MGA doch eine einigermaßen konsistente Geschichte abliefern will? Hat man einen Verlag und einen Lektor – soll es auch noch geben, wenn auch selten – ist das Problem hoffentlich gelöst. Aber was wenn nicht? Wenn man sein Werk als E-Book zu veröffentlichen gedenkt, oder im Eigenverlag? Oder eben einen Verlag ohne Lektor erwischt?
Die Antwort heißt Testleser. Testleser sind eine besondere, nicht unbedingt beneidenswerte Spezies, die man im Bekannten- und Verwandtenkreis des Schreibenden findet. Die bekommen dann die Ur- oder erste überarbeitete Fassung des Werkes zugeschickt, mit der Bitte, sie zu lesen und Rückmeldung zu geben. Was einfacher gesagt als getan ist. Jeder kann sagen, der Text hat mir gefallen oder hat mir nicht gefallen. Das ist für den MGA aber nur bedingt hilfreich um seinen Text besser zu machen. Ich habe meinen Testlesern und Innen daher zwei Beiblätter zum Text mitgeschickt, eine Fehlerliste und einen kurzen Fragebogen, um ihnen die Rückmeldung zu erleichtern. Beide möchte ich hier kurz vorstellen, weil ich denke, dass sie auch anderen MGAs – oder Testlesern – nützlich sein könnten.

 Die Fehlerliste sieht folgendermaßen aus:

Fehlerliste

  1. Ein Charakter tut oder sagt etwas, was nicht zu seinem Charakter passt.
Szene Bemerkung, Hinweis
  1. Anschlussfehler: plötzlich wechselnde Haarfarbe, übersprungener Wochentag, wechselnder Name etc.
Szene Bemerkung, Hinweis
  1. Unverständlich geschriebene Szene, die zweimaliges Lesen erforderte
Szene Bemerkung, Hinweis
  1. Langweilige, uninteressante Szene die ich nur überflogen habe
Szene Bemerkung, Hinweis
  1. Ein Charakter tut oder sagt etwas unglaublich Dummes
Szene Bemerkung, Hinweis
  1. Hier passiert etwas, dass so nicht möglich ist
Szene Bemerkung, Hinweis

Die angeführten Fehler mögen vielleicht trivial erscheinen und ihr Nichtvorhandensein macht auch noch lange kein gutes Buch aus, aber wenn sie vorhanden sind, tut es dem Text sicher nicht gut. Statt die Szenen im Manuskript zu nummerieren, kann man natürlich auch Seitenzahl und Zeilennummern verwenden. Und ja, im Original gibt es pro Fehlerbeschreibung mehrere Tabellenzeilen, nicht nur eine.

Der Fragebogen sieht so aus:

1. Nach dem ersten Reinschmökern wollte ich weiterlesen:

JA
NEIN weil

  •  die Charaktere unsympathisch waren
  •  der Anfang langweilig war
  •  ich mit dem Genre nichts anfangen kann
  • …………………………………………….

2. Mein Lieblingscharakter ist:

  • ……………………………………………..
  • niemand

3. Am unsympathischsten war mir

  • ………………………………………………
  • niemand speziell

4. Das Erzähltempo fand ich im Allgemeinen

  • zu schnell
  • zu langsam
  • in Ordnung

5. Die Dialoge fand ich im allgemeinen

  • gut
  • schlecht
  • in Ordnung

6. Folgendes war mir auch am Schluss immer noch nicht klar:

7. Diese Füllwörter sind mir besonders häufig aufgefallen (Beispiele für Füllwörter: ein wenig, vielleicht, irgendwie, merklich, etc)

8. Sonstige Anmerkungen, Auffälligkeiten, was auch immer

Zugegeben auch diese Fragen sind nicht besonders originell, aber immerhin erlauben die Antworten dem MGA doch ein paar – mit Vorsicht zu genießende – Rückschlüsse. Wenn kein Testleser einen Lieblings/Haßcharakter hat, sind die Charaktere vielleicht ein wenig blass geraten. Die fragen zu Erzähltempo und Dialogen sind sehr allgemein gehalten, aber wenn man nicht gerade sehr geübte und vor allem mit viel Freizeit gesegnete Testleser hat, wird man kaum eine Liste erwarten können, an welchen Stellen genau das Erzähltempo nicht passt und warum. Ähnlihc bei den Dialogen. Abgesehen davon soll sich ja der MGA die Arbeit machen und nicht seine Testleser. Und wenn alle meinen, die Dialoge seien Käse, dann muss er sich die Dialoge eben noch mal vornehmen und herausfinden, warum sie Käse sind.
Die restlichen Fragen sind denke ich selbsterklärend.

Ich weiß, dass diese beiden Listen nicht der Weisheit letzter Schluss sind, und ich kann auch noch keinen Erfahrungsbericht dazu geben. Aber ich dachte, ich stelle die Idee einmal vor. Vielleicht schreibt mir das Internet ja in den Kommentaren Anregungen, Meinungen und Ergänzungen dazu. Oder auch eine Erklärung, warum die Idee Blödsinn ist und wie man das besser machen könnte.

Grüße
wortschmied

______________________________________

1) Zugegeben, vermutlich läuft das anders ab, aber es sit nett, sich vorzustellen, dass es so abläuft.
2) Vorausgesetzt sie bringen es zu erst einmal überhaupt zum Laufen.

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