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LL: Das Leben und das Schreiben (Stephen King)

15. Januar 2013

Schreibratgeber gibt es wie Krimis im Scherz-Verlag, meist von nicht ganz so erfolgreichen Autoren der Unterhaltungsliteratur oder Universitätsprofessorinnen für kreatives Schreiben verfasst. Schreibratgeber von tatsächlich erfolgreichen Autoren hingegen … also ich kenne nur einen einzigen und das ist der im Titel genannte. Was dem Buch zumindest gewissen Seltenheitswert verleiht, aber wie sieht es mit dem Inhalt aus?

Der erste Teil ist eine Art Autobiographie in Auszügen. Biographien, mit und ohne Auto, sind nicht gerade ein Genre mit dem ich viel anfangen kann. Horror-Romane übrigens auch nicht. Daran, dass ich auch diesen Teil mit Vergnügen und Interesse gelesen habe, zeigt sich, dass hier einer am Werk ist, der wirklich gut schreibt. Sowohl was die Auswahl der Szenen anlangt als auch die Aufbereitung und die Sprache, fand ich es bewundernswert gekonnt.

Nachdem also der erste Teil des Buches den ersten Teil des Titels behandelt, überrascht es nicht, das es im zweiten Teil um das Schreiben geht. Die meisten Schreibratgeber neigen dazu, Thesen und Behauptungen aufzustellen wie man es richtig macht und selbige dann zu erklären und untermauern. Zum Abschluß gibt es dann ein paar Übungen für den geneigten Leser um das eben Gelernte in die Praxis umzusetzen. King kehrt das um, er erzählt zuerst von seinen Erfahrungen beim Schreiben und dann, was er daraus gelernt hat. Weniger: So macht man es! Mehr: das ist mir passiert und darum mach ich es jetzt so; da es für mich funktioniert, könnte es auch für sie funktionieren.

Ich finde diese Art sehr verdaulich und pädagogisch klüger. Das er diese Art der Aufbereitung gewählt hat, mag vielleicht daran liegen, dass er jahrelang als Lehrer (ja, das weiß ich aus dem ersten Teil des Buches) gearbeitet hat, und auch da aus seinen Erfahrungen die richtigen Schlüsse gezogen hat.

Was Kings Erkenntnisse und Vorschläge selbst anlangt, so sind sie nicht neu oder nirgends sonst zu finden, aber dadurch das seine Erfahrung dahinter steht, haben sie für mich doch sehr an Glaubwürdigkeit gewonnen. Der größte Aha-Effekt was mich anlangt war, das man auch schreiben kann, ohne einen genau durchgeplanten Plot und ein minutiös ausgeführtes Expose zu haben. (Dazu demnächst mehr an dieser Internetadresse. Rufen sie auch weiterhin Mittwoch und Freitag diesen Link aus ihren Favoriten auf. Ende der Werbung, es folgt wieder unser reguläres Programm)

Ich werde hier, wie immer, nicht mehr vom Inhalt verraten, aber von meiner Seite her gibt es eine klare Leseempfehlung, selbst wenn man mit Kings Thesen nicht übereinstimmt, oder seine Romane nicht mag, einfach weil es unterhaltsam zu lesen und sehr gut geschrieben ist. Was zeigt, dass er mit seinen Ratschlägen so weit nicht daneben liegen dürfte.

-+-

Ich  fand die Lektüre sogar so motivierend, dass ich die „Versuchsanordnung“ meines mindestens-ein-Satz-pro-Tag Schreibexperiments an seine Vorschläge angepasst habe. Seit gestern vor einer Woche lautet die Regel nun mindestens-tausend-Worte-pro-Tag, aber auch nicht wesentlich mehr! Ausgenommen nach wie vor das Wochenende, man soll nichts übertreiben 🙂

Wobei der Zeitaufwand dadurch nicht so stark gestiegen ist, wie ich angenommen und befürchet hatte.  Der Unterschied ist allerdings, dass ich jetzt beim Schreiben keine Klicksi-Klicksi-Spielchen mehr im Hintergrund laufen habe oder oder mich von irgendetwas ablenken oder stören lasse (ausser es geht um Leben oder Tod wie zum Beispiel einen dauer-raunzenden, weil sich nahe am Hungertod wähnenden, Kater). Und ich bessere einen Satz während des Schreiben höchstens einmal aus und doktere nicht mehr eine Viertelstunde daran herum, was ich bislang öfter mal getan habe. Wie lange ich das neue Reglement durchhalte und ob die Auswirkungen längerfristig positiv oder negativ sind, darüber werde ich vielleicht Anfang nächsten Monats berichten.

Vielen Dank jedenfalls nochmals an Krimzon für das gut gewählte Weihnachtsgeschenk und allen viel Spaß beim Lesen und Schreiben

wortschmied

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