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Interludum: The Secret World

28. August 2012

Ich spiele erst seit etwas mehr als zwei Wochen The Secret World (TSW), viel zu kurz also um ein Review darüber zu schreiben. Da ich aber gestern lesen musste, dass Funcom fast die Hälfte der Mitarbeiter am Spiel entlassen hat, weil das Spiel weit hinter den erwarteten Verkaufs- und Subskriptionszahlen geblieben ist, dachte ich mir, ich gebe zumindest meinen Ersteindruck wieder. Meiner Meinung gründen die mageren Verkaufszahlen nämlich darin, dass die Art Spieler die Spaß an TSW haben würden, es aufgrund der negativen Berichte und Meldungen und den Forenposts eines gewissen Spielertyps gar nicht erst anspielen. Was ich höchst schade finde. Zwar hat dieser Post hier nicht den Einfluss einer professionellen Spieleseite, aber wenn ein oder zwei Leute TSW deswegen ausprobieren, hat er sich schon ausgezahlt.

Was MMORPGs angeht, gehöre ich, trotz meines fortgeschrittenen Alters, der Generation WOW an. Soll heissen, ich habe vor World of Warcraft alles, was mit MMO begann, nicht mal mit einer langen, gut isolierten Zange angefasst. Dass ich es dann doch getan habe, lag an Frau Wortschmied, die da weniger ablehnend war und der ich erst eine Zeitlang beim Spielen zugesehen habe, bevor ich es selber ausprobiert habe. Die Folge waren dann mehrere Jahre WOW-Abo. Als der Virus dann aus meinem System war und es mir langweilig wurde, habe ich, auf der Suche nach dieser Faszination die WOW und seine Welt, Geschichte und Spielmechanik in mir ausgelöst hatte, immer wieder einmal MMORPGs ausprobiert. In keiner bestimmten Reihenfolge unter anderem: Age of Conan, Anarchy Online, Herr der Ringe, DC Universe Online, Star Wars The Old Republic, und noch ein paar von Beginn an als FreetoPlay Titel konzipierte, deren Namen mir gerade nicht einfallen wollen. Aber keines davon hat in mir wieder dieses Gefühl ausgelöst, tiefer in die jeweilige Welt eindringen und ihre Geheimnisse, Geschichten und Mechaniken kennenlernen zu wollen. Bis ich dann aufgrund einiger positiver bis enthusiastischer Berichte bei einem Grillfest (tschuldigung: DEM jährlichen Grillfest) beschlossen habe, TSW eine Chance zu geben. Und BAMM, da war es wieder, dieses in einem MMORPG lange vermisste Gefühl, in eine Welt voller interessanter Geschichten einzutauchen, die Verlockung noch schnell zu erkunden, was hinter dem nächsten Hügel zu finden ist, und welche Geschichten der nächste NPC zu erzählen hat. Wie gesagt, ich spiele erst seit gut zwei Wochen und ich kann noch nichts darüber sagen ob der Sog den TSW erzeugt, auch im weiteren Spiel noch da sein wird, aber bislang ist er eher stärker denn schwächer geworden.

Die Welt ist mit einer großen Liebe zum Detail gestaltet und es lohnt sich alle Winkel zu erkunden. Immer wieder entdeckt man eine versteckte (Neben)Quest oder eine der Bienenwaben, die einen mit weiterem Wissen über die Welt versorgen. Zugegeben, ich bin der Typ Spieler, der sich über das Entdecken von Dingen genauso freut, wie wenn er endlich drei Monster gleichzeitig umhaut, die ihm zuvor schon einzeln dass (virtuelle) Leben schwer gemacht haben. Aber genau das ist ein Teil dessen, was ich damit meinte, die richtige Sorte Spieler würde TWS gar nicht erst ausprobieren. Denn das jemand, dessen großes Ziel es ist, möglichst rasch im Epic-Outfit stundenlang vor dem Auktionshaus herum zu stolzieren, damit weniger glücklich ist, ist auch klar. Das Problem ist nur, genau diese Leute tun dann ihre (sehr eingeschränkte) Sicht der Dinge lautstark in allen möglichen Foren kund. Wer sich aber darüber freuen kann zu entdecken, dass zum Beispiel diese eine Brücke in Kingsmouth ein ganz anderes Bild bietet wenn man sie als (temporär) Toter überquert, als wenn man dies als Lebender tut, der ist hier richtig.

Die Geschichten der NPCs und auch die NPCs selber sind außerordentlich gut geschrieben, selbst die SMS aus dem Hauptquartier der jeweiligen Geheimgesellschaft zum Abschluß jeder Mission sind vergnüglich zu lesen. Wer sie allerdings nicht liest, weil ihn nur die materielle Questbelohnung interessiert auf seinem Weg zum EPIC-Roxxorn interessiert… nun ja, eh schon wissen.

Die Quests selber weichen in ihrer Mechanik ebenfalls ein wenig von dem Üblichen bringe, hole begleite und töte ab. Erstens sind selbst diese etablierten Questtypen oftmals nur mit zumindest minimalen Hirneinsatz zu lösen (Beispiel: ich weiß zwar ich soll dem Typ in dem Haus vor mir was sagen, aber wie komme ich da denn nun rein?) und zweitens gibt es noch zwei weitere Questarten: die Investigativquests, die sich ähnlich Adventurerätseln spielen und es auch schon mal nötig machen, im eingebauten Ingamebrowser den Blog eines NPCs auf wordpress.com (!) zu lesen, und zweitens Quests, in denen es in erster Linie darum geht, unentdeckt zu bleiben. Zwar kann man nicht schleichen, aber dafür über Lasersicherungen hüpfen oder den richtigen Moment zum Vorbeilaufen an Bewegungssensoren abpassen. Oder auch Passwörter herausfinden um selbige abzuschalten, oder nach einer Möglichkeit suchen, Leute aus einem Raum zu locken.
Überhaupt sind Quests in TWS kein Fastfood. Man kann immer nur eine Hauptquest und maximal drei Nebenquests auf einmal verfolgen. Also nix mit erstmal alle Quests einsammeln und dann möglichst effizient abarbeiten. Das war auch für mich erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber mein Zweifel schlug eigentlich recht bald in Begeisterung um. Denn dadurch (und die meist hervorragend gesprochenen Einleitungen – zumindest in der englischen Version, die ich zu spielen bevorzuge) gewinnen die einzelnen Quests an Bedeutung, und damit die Welt an Immersion. Questen in TWS ist wie Slowfood essen: man nimmt sich Zeit die Nuancen zu erschmecken. Oder eben nicht, weil ey, interessiert mich nicht, ich will mein neues Epicteil!

Apropos epische Ausrüstung: Selbst wenn man die hat, läßt sich nur schwer damit angeben. Denn die Kleidung die man trägt, hat absolut keinen Einfluß auf den Charakter und auch keinerlei Aussagekraft über den Ausrüstungsstand des Spielers. Lediglich über seine persönlichen Vorlieben. Was zur Folge hat, dass in Kingsmouth (dem Startgebiet) eine Menge junger Damen im Bikini herumlaufen. Well.
Das was Einfluss hat sind die Talismane, die man ausrüstet, die aber niemand sieht, solange er nicht auf „inspizieren“ klickt. Selbst das Aussehen der Waffen ist nur bedingt aussagekräftig, da es möglich ist, dass Aussehen einer Waffe die man besitzt, auf das einer anderen der gleichen Art zu übertragen. Das Anfangsschwert an der Hüfte des finster blickenden Templers da vorne kann in Wirklichkeit ein messerscharf geschliffener Bruder von Excalibur sein.

Auch das sehr freie Skillsystem – man kann aus den 9 verschiedenen Waffenarten zwei beliebige kombinieren und innerhalb jeder Waffenart insgesamt 56 verchiedene aktive und passive Skills freispielen – erfordert ein wenig Überlegen. Denn von allen Skills die man sich aneignet, kann man zur selben Zeit immer nur je 7 aktive und 7 passive verwenden. Etwas nachdenken und immer wieder anpassen ist hier unumgänglich. Wobei einem mit vorgefertigten „Decks“ unter die Arme gegriffen wird, wenn man sich davon überfordert fühlt.

Ich könnte jetzt noch eine ganze Weile weiterschwärmen, aber erstens ist der Text sowieso schon länger als die meisten Blogleser zu lesen gewillt sind und zweitens will ich zurück nach Ägypten.

tltr-Version:
Leute die in einem Spiel nicht nur den nächsten epischen Ausrüstungsgegenstand suchen, sondern Abenteuer, Entdeckungen und eine Welt in die sie abtauchen können, sollte TWS anspielen.
Wer bei Spielen nicht davor zurückscheut, auch mal sein Hirn zu benutzen und ein wenig Geduld aufbringt, um zB. auszuknobeln, auf welchem Weg man wohl auf dieses Baugerüst kommen kann, oder mit welcher Taktik dieser miese Kerl am Rummelplatz zu besiegen ist, wird eine Menge vergnüglicher Stunden verbringen.
Wer auf hervorragend geschriebene Geschichten und NPC steht, nur hereinspaziert.
Wer ohne tägliches Ausführen seines epischen Reittieres am Hauptplatz vor der Bank nicht auskommt: Finger weg.

 

Notabene:
-Das Spiel ist nicht perfekt, es hat noch ein paar Bugs. Bislang sind mir zwei untergekommen und keiner, der mir den Spielspaß genommen hätte.
-Der Ingameshop trotz monatlicher Gebühr, stößt auch vielen negativ auf. Kann ich verstehen. Aber zur Zeit bietet der ausschliesslich Bekleidung an. Und die hat, wie gesagt, keinerlei Einfluß auf das Vorankommen im Spiel.
-Das Spiel ist ab 16 und das zu Recht. Einige der Geschichten (wenn man sie denn liest oder sich anhört und sie nicht einfach wegklickt) sind schon ein wenig… verstörend. Eventuell. Kommt darauf an, was für Lektüre man sonst so liest.


BTW: Drei Tage lang kann man es kostenlos ausprobieren. Guggst du hier.

so long, ich bin mach mich dann mal wieder auf den Weg nach Ägypten, eventuell mit einem kleinen Zwischenstopp bei Pangaea in London 🙂
WS

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From → Interludum

One Comment
  1. Yup, kann mich dem nur anschließen! Als echter Storyfreak muss ich unbedingt immer wieder wissen wie es weitergeht. Und das Barbie-Puppen Syndrom kann man auch bestens ausleben. 😉

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