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Das Wiener Kriminalmuseum

22. Mai 2012

Das Seifensiederhaus in der Großen Sperlgasse 24 in Wien wirkt, als wäre es in einer Zeitblase gefangen. Errichtet irgendwann vor 1685 sieht das einstöckige Gebäude mit seinen grün lackierten Fensterläden und Türen, den kaisergelb gestrichenen Mauern und den schmiedeeisernen Laternen nach fast vierhundert Jahren noch immer aus, als würde gleich der namensgebenden Seifensieder aus einer der Türen treten um Wasser aus dem tiefen Brunnen in der Ecke des Pawlatschenhofes zu schöpfen. Um plötzlich von einer Gestalt im langen Mantel und mit tief ins Gesicht gezogenem Hut, die in der finsteren Ecke hinter dem Brunnen lauerte, hinterrücks erstochen zu werden. Das Seifensiederhaus beherbergt heute nämlich das Wiener Kriminalmuseum.

In den zwanzig Ausstellungsräumen, deren Anzahl man nicht vermutet, wenn man der kleinen Hausfront erstmals ansichtig wird, werden dem geneigten Besucher eine Menge grausiger Moritaten zur gefälligen Ansicht gebracht, ausgehend vom späten Mittelalter bis zur Neuzeit. Da das Kriminalmuseum auch den Fundus des Museums der Polizeidirektion Wien enthält, welches seinerseits wiederum aus dem k.k Polizeimuseum hervorging, gibt es neben großformatigen Abbildungen auch eine Menge Tatwaffen zu bestaunen. Angefangen von den zu allen Zeiten beliebten Holzknüppeln bis hin zu Stockdegen und Revolvern. Auch die teilweise recht abscheulichen Konsequenzen des Einsatzes dieser Waffen werden nicht nur in Bildern demonstriert: diverse Schädelplatten mit Löchern in mehreren Variationen demonstrieren sehr eindringlich welche Auswirkungen ein Schuss oder der Hieb mit einer Axt auf den menschlichen Schädel hat.

Neben den einzelnen „Fällen“ wird der Besucher auch über die Entwicklung des Polizeiwesens informiert, die zeitweise Rivalität zwischen den von den Bürgern und dem vom Kaiserhaus bezahlten Ordnungshütern, der Zeit der Militärpolizei und über die angewandten Methoden zur Verbrechensaufklärung. Die übrigens schon viel früher weiter fortgeschritten waren als man gemeinhin annehmen würde (Letztere Behauptung basiert auf einer nicht repräsentativen Umfrage zwischen meiner Frau und mir).
Trotz der Faszination, die gewaltsame Tode und andere Verbrechen offenbar immer schon auf die Menschen ausgeübt haben, wie man im Museum immer wieder vor Augen geführt bekommt, und die auch ungemindert anzuhalten scheint, wenn man sich die Menge an Krimi-, True-Crime und ähnlicher Sendungen im Fernsehprogramm ansieht, ist das Museum nicht gerade ein Publikumsmagnet. Während unseres Besuches am Sonntag Nachmittag sind wir nur einem einzigen weiteren Besucher begegnet – aber interessant ist es allemal. Besonders für MGAs die sich an einem Kriminal- und/oder Historienroman versuchen wollen. Wobei ich persönlich eventuell vorhandenen Nachwuchs nur so ab dreizehn oder vierzehn mitbringen würde.

Mein persönliches Favoritenaustellungstück ist übrigens ein in Aquarelltechnik gefälschter Fünfzig-Guldenschein. Die Chuzpe muss man erstmal haben. Wobei, als Aquarell fand ich das Kunstwerk sehr gelungen.

Heute als Reporter dilettierend,

Wortschmied
Links:

http://www.kriminalmuseum.at/krimwien.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kriminalmuseum

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From → Reportage

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