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LMGA: Das Buch-Logbuch

8. Mai 2012

Wer anfängt ein Buch zu schreiben, hat mindestens eine Idee, eine Szene oder einen Charakter im Kopf und bestenfalls ein mehr oder weniger ausgearbeitetes Exposé. Ob man nun ein Drauflosschreiber oder ein Vorausplaner ist, in beiden Fällen und all den Mischformen dazwischen, ist das Führen eines Buch-Logbuches empfehlenswert. Für die Drauflosschreiber auf jeden Fall, und wohl auch für die Verfasser zigseitiger Exposes mit vollständigen Charakterbiographien und einem Anhang, der von A wie Alles was in meinem Buch vorkommt bis Z wie Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse auf anderen Planeten reicht.

Das ist die These, die es nun zu beweisen gilt. Oder zumindest glaubwürdig zu vertreten. Oder wenigstens soweit verständlich zu machen, das die geneigte Leserin sich eine eigene Meinung bilden kann. Alsdern, dann wollen wir mal, wie die Altvorderen zu sagen pflegten.

Was ist ein Buch-Logbuch?

Ein Buch-Logbuch ist dasselbe wie ein Schiffslogbuch:  chronologisch geführte Aufzeichnungen der täglichen Ereignisse. Nur dass darin nicht die Vorkommnisse der Reise verzeichnet werden, sondern die des Buches. Wie genau, dazu gleich mehr. Der Zweck des Buch-Logbuches ist derselbe, wie der der Logfiles und Changelogs eines Computerprogramierers: es vereinfacht das Arbeiten ungemein und hilft Fehler schneller aufzuspüren oder gleich zu vermeiden.

Wie sieht so ein Buch-Logbuch aus?

Was das Format anlangt, das hängt davon ab, wie und womit man schreibt. Ich persönlich verwende Sheets eines Tabellendokuments, man kann aber genausogut Karteikarten anlegen, wenn man Stift und Papier der Tastatur vorzieht.  Oder, wenn man im Besitz einer Autorensoftware ist, die Notizfunktion verwenden. Oer wie immer die jeweilige Software diese Funktion bezeichnet, die dazu geeignet ist, kurze Notizen strukturiert abzuspeichern. Ich handhabe es so, dass ich pro Kapitel ein Sheet in einem (einzigen) Tabellendokument anlege.

Was schreibt man in ein Buch-Logbuch?

Erstens
eine Zusammenfassung der Handlung pro Kapitel. Ja, auch die Leute die das schon ausführlich in ihrem Exposé gemacht haben. Den Autor oder die Autorin, die während des Schreibens keine Änderung an der Handlung vornimmt, gibt es nicht. Behaupte ich zumindest, bis jemand das Gegenteil beweist.

Zweitens
eine Liste aller im Kapitel vorkommenden Personen. Im Normalfall einfach der Name, wer mag kann noch Dinge wie „bricht sich die Hand“, „verliebt sich in Adele“ oder derlei dazuschreiben.

Drittens
wird hier alles aufgeschrieben, was man noch erledigen muß. Wenn man grade im schönsten Schreibfluß ist und plötzlich entdeckt, dass man sich nicht überlegt hat, wieviel ein Laib Brot auf Alpha Centauri kostet, ist es meist sinnvoller einen Platzhalter wie „15 Brotinis“ hinzuschreiben als zu unterbrechen und ein Währungssystem zu entwerfen. Derlei Platzhalter haben nur leider die Eigenschaft bisweilen vergessen zu werden. Daher sofort auch eine kleine Notiz im Logbuch unter der noch zu erledigen Rubrik eintragen. Dasselbe gilt auch für Dinge, die man vergessen hat zu recherchieren. Da vielleicht sogar noch mehr. Es soll Leute geben, die schütteln ein Währungssystem in Minuten aus dem Ärmel. Wenn sie aber im Internet recherchieren sollen, was 1753 eine Ziege gekostet hat, sind plötzlich vier Stunden ins Land gegangen, und der Rechercheur weiß alles über die Funktionsweise von Zeppelinen aber immer noch nicht, wieviel 1753 eine Ziege gekostet hat. Was seine eigene Geschichte angeht hat er den Faden dann sowieso schon völlig verloren.

Viertens
habe ich noch eine Rubrik mit der Überschrift Möglichkeiten. Die sehe ich als optional an, abhängig vom eigenen Schreibstil. Da ich dazu neige, endlos am selben Absatz herumzufeilen, habe ich es mir zur Regel gemacht, nur das am Vortag geschriebene auszubessern. Und auch das nur in Bezug auf extreme Endlossätze, Füllwörter und Fehler der Grammatik oder Rechtschreibung. Wenn ich aber der Meinung bin, der Absatz wäre viel besser, wenn man ihn aus der Sicht von X statt aus der von Y erzählen würde, dann schreibe ich das unter dieser Rubrik ins Logbuch. Weil oft bin ich am übernächsten Tag sowieso schon wieder anderer Meinung. Allgemein ausgedrückt, hier schreibe ich Dinge auf, die meiner Meinung noch der Überarbeitung bedürfen. Also Erzählperspektiven, auf den zweiten Blick nicht ausreichende Charaktermotivationen und derlei mehr. Wer diese Dinge immer gleich ausbessert, kann sich diese Rubrik sparen.

Wozu ist ein Buch-Logbuch gut?

Es erleichtert das Schreiben selbst. Beispiel: Vor drei Kapitel ist ein marsianischer Spirituosenhändler (Nebencharakter) aufgetreten. Hieß der nun Gongz oder Gonzg? Statt sich durch seitenweise Text zu lesen, kann man nun schnell unter Kapitel 10 im Logbuch in der Namensliste nachsehen. Oder wann sind die Helden vor 5 Kapiteln aus Dribstrü aufgebrochen? Um fünf Uhr morgens, ja dann werden sie nun schon ziemlich müde sein. Und so weiter.
Es erleichtert dann später, so denke ich, auch das überarbeiten. Es soll ja vorkommen, dass man in Kapitel 35 etwas plötzlich so drastisch ändert, das man auch die Kapitel 17 und 23 umschreiben muß. Mit den entsprechenden kurzen Notizen bei den Einträgen für Kapitel 17 und 23 was genau zu ändern ist, ist das einfacher, als wenn man dann erst alle betreffenden Kapitel nochmals lesen muß.
Ein Buch-Logbuch erleichtert also das aufrecht erhalten des Schreibflußes, das vermeiden von Fehlern, und den Zeitaufwand bei Änderungen. Ja, das Logbuch anzulegen und die Einträge zu schreiben kostet auch Zeit, aber nur wenige Minuten. Ich bin erst in Kapitel zwei meines Buches und mir hat es schon mehr Zeit erspart, als es mich gekostet hat.

Wer die Idee des Buch-Logbuches jetzt immer noch für bescheuert hält, dem sei das unbenommen, Hauptsache man hat Spaß am Schreiben.

Grüzi
WS

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From → LMGA, Schreibhandwerk

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