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LL: The Hunger Games; Suzanne Collins

3. Mai 2012

Deutsch: Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele

Anmerkung: Wie meistens bei englischen Büchern so habe ich auch dieses auf englisch gelesen. Wie gut oder schlecht die deutsche Übersetzung ist, kann ich daher nicht sagen und meine Aussagen beziehen sich auf die englische Version.

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Wie ich hier schrieb, habe ich in den letzten Tagen die „Hunger Games“ (ab hier mit HG abgekürzt aufgrund des tippfaulen Schreibers) von Suzanne Collins gelesen. Mittlerweile habe ich fertig gelesen und meine anfängliche Euphorie ist in etwas umgeschlagen, das ich nicht so recht benennen kann.

Im Zweifelsfall also der Reihe nach und wie immer möglichst ohne Spoiler:

Schreibtechnisch ist es wirklich gut. Klare Sprache, gut charakterisierte Personen, volle Punktezahl diesbezüglich. Der Plot ist der eines reinrassigen Thrillers und hält bis zum Schluß in Atem. Für meinen Geschmack fast ein wenig zu sehr. Ich mag hin und wieder eine Verschnaufpause in einer Geschichte. Aber vorwerfen kann man das einem Thriller eigentlich nicht. Wenn es um Leben und Tod geht, setzt man sich wohl kaum gemütlich irgendwo hin und sinniert über dies und das. Bei Dan Brown sind diese Verschnaufpausen immer dann, wenn irgendetwas Neues  erklärt wird, vorzugsweise eine uralte Verschwörung. In den HG gibt es nicht allzuviel zu erklären, die Grundsituation ist sehr schnell sehr klar und ändert sich auch nicht mehr. Trotzdem, wie gesagt, ich persönlich hätte gerne etwas mehr oder längere Verschnaufpausen gehabt. Mag auch daran liegen, dass praktisch jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet und zum weiterlesen drängt. Was ja auch legitim ist, schliesslich will man die Leser ja zum weiterlesen animieren. Aber das läßt sich auch auf andere Weise erreichen. Wenn ich den Hauptcharakter mag, dann lese ich sowieso weiter, auch wenn er nicht gerade von einer Klippe hängt und ich unbedingt erfahren will, ob er runterfällt oder nicht.

Was mich zu der, in Ichform erzählenden, Heldin bringt und der Frage ob ich sie mag. Oder wie man es in Schreibkursen gerne formuliert, ob sich der Leser mit ihr identifizieren kann. Während des ersten Drittel des Buches hätte ich das mit einem klaren Ja beantwortet. Jetzt am Ende des Buches mit einem deutlichen „ich weiß nicht“. Ich konnte zwar zu jeder Zeit die Gründe für die von ihr getroffenen Entscheidungen nachvollziehen, sogar mit Sympathie nachvollziehen, aber identifizieren konnte ich mich dann irgendwann nicht mehr mit ihr. Nicht wegen der von ihr getroffenen Entscheidungen, sondern wegen der äusseren Umstände, die ihr keine Möglichkeit gaben, wirklich „gut“ zu handeln. Es ist schwer, das jetzt ohne Spoiler zu erklären. Sagen wir, ich mag keine Bücher, in denen der Held oder die Heldin nicht wirklich eine Wahl hat, anders zu handeln, als ihm von den Umständen aufgezwungen wird. Lediglich fast ganz zu Schluß gab es so eine Situation und auch hier wird die Handlungweise der Heldin wieder von den äusseren Umstände zu nichte gemacht.

Was mich ebenfalls erstaunt hat, war der Grad an Gewalt in dem Buch. Nicht dass hier Gewalt um der Gewalt willen zelebriert würde, im Gegenteil, aber ich habe einige Erwachsenen-Thriller gelesen, die weitaus weniger brutal waren. HG hat laut Wikipedia den deutschen Jugendliteraturpreis in der Altersgruppe 14 bis 15 Jahre bekommen. Ich würde es eher ab 16 Jahren aufwärts empfehlen, aber vielleicht werde ich auch einfach schon alt.

Fazit: Während ich das hier geschrieben habe, ist mir denke ich klar geworden warum ich das Buch nicht mag. Eine gute Geschichte  muß für mich drei Voraussetzungen erfüllen:

1. Sie muß mir eine glaubhafte Welt bieten, in die ich eintauchen kann.
2. Sie muß Charaktere haben die ich mag.
3. Sie muß den Charakteren Herausforderungen bieten, die sie – wenn auch eventuell mit großer Anstrengung – meistern  können.

Punkt 1 und 2 sind in den HG erfüllt, aber der dritte Punkt nicht. Die Herausforderungen, denen sich die Heldin stellen muß, sind nicht zu meistern. In dem Sinn, wie man auch einen Erdrutsch nicht meistern kann, man kann ihn bestenfalls überleben.
Ich fand das Buch bis zum Schluß spannend, so spannend, dass ich es fertig gelesen habe, obwohl ich die Geschichte nicht mehr mochte. Was für das handwerkliche Können der Autorin spricht und das Buch für MGAs schon deswegen lesenswert macht. Aber ich werde die weiteren Bände nicht lesen, weil nichts darauf hindeutet, dass sich an der Art der Herausforderungen etwas ändern wird.

Grüße
WS

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2 Kommentare
  1. Ich hab es noch nicht gelesen, aber generell gebe ich dir recht: Es ist störend, wenn der Protagonist eher getrieben wird, als dass er selbst es ist, der im Wesentlichen den Verlauf der Ereignisse vorantreibt.

    • Mit dem getrieben werden könnte ich bei einem Thriller noch bis zu einem gewissen Grad leben. Was mich in den HG so stört, ist, glaube ich, dass die Heldin nichts anderes tun kann, als sich ständig derselben, nicht „lösbaren“ Herausforderung zu stellen: tu ich das, was ich für richtig halte und sterbe – oder tu ich das, was ich als falsch empfinde und bleibe am Leben. Das ist zwar eine durchaus spannende und interessante Herrausforderung, aber meiner Meinung nach nur ein einziges Mal. Jedes weitere Mal, wo sie sich fürs Überleben entscheidet, ist nur eine Variation der ersten Entscheidung, die weder den Charakter noch die Geschichte voranbringt. Alles was dadurch erreicht wird, ist das mir die Heldin jedes Mal unsympathischer wird. Oder so. Was man dem buch zu Gute halten kann ist das es einen zum Nachdenken bringt, wenn auch nicht unbedingt über die Dinge, die von der Autorin beabsichtigt waren. Vermute ich mal.
      WS

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