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Interludum: Der Hexer und der Namenlose

5. Juli 2011

… oder warum Risen mehr Spaß macht als der Witcher 2

Vorbemerkung: Ich werde meine gelegentlichen Kommentare zu Computerspielen ab sofort unter dem Tag „Interludum“ veröffentlichen. Dann sind gleich alle gewarnt, dass es um Computerspiele geht und können bei Nichtinteresse an solchen den Blog gleich wieder verlassen (und hoffentlich am nächsten mit einem D beginnenden Wochentag wiederkommen).

Der Hexer und der Namenlose haben ja einiges gemeinsam: Beides sind Computerspielcharaktere aus CRPGs, beide sind nicht zum ersten Mal in ihren jeweiligen Welten unterwegs. Denn auch wenn Risen nicht Gothic 4 heißt (oder Nummer 3), ist es trotzdem Gothic und der namenlose Held aus Risen ist seinem ebenfalls namenlosen Kollegen aus Gothic zwar nicht unbedingt aus dem Gesicht geschnitten, aber für Brüder reicht es allemal. Egal.

Erst einmal sollte ich vielleicht rechtfertigen, wieso ich überhaupt auf die Idee komme, die beiden Spiele zu vergleichen. Abgesehen vom offensichtlichen – beides sind Computerrollenspiele – haben sie auch noch weitere Gemeinsamkeiten: in beiden Fällen spielt man einen nicht frei wählbaren männlichen Helden. In beiden Fällen handelt es sich zwar um Fantasywelten im weitesten Sinn, und in beiden Fällen um eher rauhe. Soll heissen die Menschen darin verhalten sich sehr menschlich, und der Anteil an edlen Heroen tendiert gegen Null, und zwar vom negativen Zahlenbereich aus. In beiden Fällen ist die Kampfsteuerung zu einem nicht kleinen Teil vom Können des Spielers abhängig. In beiden Fällen muß man sich die Verbesserung seiner Ausrüstung eher mühsam verdienen. Die Craftingsysteme sind ähnlich. Etc Pipapo.

Eigentlich ist Witcher 2 in vielen Bereichen Risen überlegen. Die Umgebungsgrafik ist ein wenig besser, die Charaktermodelle und Animationen sind um einiges besser. Die Lebendigkeit der Welt (Tagesabläufe von NPCs) ist beim Witcher ebenfalls etwas höher, dafür kann ich bei Risen nicht einfach in Häuser reinspazieren und mich in sämtlichen Truhen der Bewohner bedienen. Oder meine Waffe in einem Dorf ziehen ohne sofort eine Reaktion der Bewohner und Wachen zu bekommen. („Steck das Ding weg oder es gibt was aufs Maul!“) Und wenn man sich in Risen mit wem prügelt („Er hat angefangen. Ehrlich!“) ist man gleich umringt und wird mit Kommentaren bedacht.
Bei der Inszenierung der Gespräche und Zwischensequenzen hat der Witcher auch die Nase vorn, schon alleine wegen der wesentlich ausdrucksstärkeren Gesichter der Figuren.
Zur Geschichte kann ich in beiden Fällen nicht wirklich was sagen, weil ich den Witcher mal auf Eis gelegt habe (wie ich glaube ich schon mal erwähnte) und bei Risen erst gegen Ende des ersten Aktes bin.

Kurz, der Witcher glänzt mit Grafik, Animation und Inszenierung, aber Risen ist, trotz Schwächen meiner Meinung besser, was die Generierung einer glaubwürdigen Welt anlangt. Ich weiß, die Npcs in Risen sind nicht besonders rumlauffreudig und sehen auch aus als stammten sie alle von drei großen Familien ab, aber soweit ich das nach der in beiden Fällen etwas gleich langen Spielerfahrung sagen kann, ich find ich sie mit ihren Reaktionen auf das tun und lassen des Spielers einfach glaubwürdiger als ihre stylischen Kollegen aus dem Witcher.

Was  aber den großen Unterschied für mich macht: Obwohl das Kampfsystem in beiden Fällen einiges an Übung abverlangt (zumindest mir) und in beiden Fällen nur so lala im Tutorial erklärt wird, ist das Kämpfen in Risen um Häuser besser. Wenn man einmal rausgefunden hat wie es geht, dann stirbt man nur mehr wenn man Mist baut (Immer noch oft genug). In Witcher 2 stirbt man auch wenn man Mist baut. UND, gar nicht zu selten, weil die verflixte Steuerung träge, gar nicht oder unvorhergesehen reagiert. Und das ist in einem Spiel, in dem soviel gekämpft wird einfach nur öde. Da hilft die ganze gute Inszenierung nichts. Ich will zwar wissen wie es weiter geht, aber wenn ich dafür stunden lang rumsterben muß dann verzichte ich.

Was ich dem Witcher ausserdem ankreide: Ich latsch nichts Böses ahnend durch das erste Dorf, biege um ein Eck und drei Schläger fangen an mich zu vermöbeln. Von der Handlung her (im Nachinein) durchaus logisch und erklärbar. Aber um einen Kampf gegen drei Gegner zu bestehen muß (ich zumindest) man sich vorher mit einem Stärkungstränklein dopen oder es wird wirklich schwer das zu überleben. Aber wer rennt schon  kampfbereit gedopt durch ein friedliches Dorf ? In Risen ist mir derlei noch nicht passiert. Zwar bin ich auch da unversehens abgenibbelt weil ich plötzlich drei Ghulen gegenüberstand, aber das war meine eigene Schuld. Wer in niedrigen Levels aber neugierig in unbekannte dunkle Tempel latscht (vor denen einen die Leute auch mehr als einmal warnen wegen der Monster darin) darf sich nicht wundern wenn er dann ein frühes ende findet.

Worauf ich hinaus will: Wenn die Steuerung der grundlegenden Spielelemente dermaßen Macken macht wie in Witcher 2, dann nutzt auch die ganze Grafikpracht nix. Wobei angeblich haben sie beim Witcher 2 ja mit einem Patch diesbezüglich nachgebessert. Egal, ich latsch jetzt erst mal weiter durch die Inselwelt von Risen, aber vorsichtig, weil auch wenn alle Wölfe gleich aussehen sind sie doch unterschiedlich kräftig. Was man leider erst erkennt wenn man schon zu nahe dran ist 🙂

Greetings
WS

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From → Interludum

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