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LMGA: Schauplatz, der

30. Juni 2011

… oder: Der unbekannte Bruder von Handlung und Charakter.

In den meisten Büchern über das Schreiben wird einem eingetrichtert, dass eine gute Geschichte aus zwei Hauptkomponenten besteht: Erstens einer  spannenden, wendungsreichen Handlung und zweitens aus interessanten, glaubwürdigen Charakteren. In keinem der Bücher jedoch findet der oder die Schauplätze der Handlung besondere Erwähnung. Handlung und Charaktere sind zwar mit Sicherheit die Hauptkomponenten einer Geschichte, aber ein oder mehrere SCPs (SuperCoolePlätze) können meiner Meinung das fehlen einer der beiden erstgenannten Hauptkomponenten durchaus kompensieren. Man stelle sich Harry Potter ohne Hogwarts vor, Neverwhere ohne London Below, Mortal Engines ohne die rollenden Städte etc. Eben, die Geschichten würden nicht funktionieren. Man mag jetzt einwerfen, ja das sind aber alles Fantasybücher, Bücher die mehr oder weniger in der realen Welt spielen haben keine „besonderen“ Schauplätze. Stimmt, sehr oft haben sie keine, aber das heißt nicht, dass sie keine haben könnten. Oder dass es keine gäbe. Auf Anhieb fällt mir gerade nur Dan Browns Schreiberei ein, der ein Talent dafür hat, scheinbar bekanntes in neuem Licht zu zeigen. Jeder kennt den Obelisken in Washington (zumindest von Bildern/Filmen) und doch macht Brown ihn zu einem SCP. Ah doch noch einer eingefallen: die Kanäle Wiens im Dritten Mann. Aber die Frage ist prinzipiell berechtigt: Was sind heute noch SCPs?

Früher, als eine Reise auch nur in die nächste größere Stadt ein selten unternommenes und aussergewöhnliches Ereignis war, weil die zur Verfügung stehenden Transportmitteln als Antrieb alle noch Muskelkraft benötigten, war es in Erzählungen gang und gäbe, lang und breit die Schauplätze der Handlung zu beschreiben. Mit der Erfindung der Dampfmaschine die das Reisen doch sehr beschleunigte, wurden nur mehr die Schauplätze ausführlich beschrieben, die nur für einen kleinen teil der Bevölkerung erreichbar waren. Nun wußte praktisch jeder wie es in einer Stadt aussah. Zwar unterscheiden sich auch Städte, aber man mußte dem Leser nicht mehr erklären, wie es denn in einer Stadt prinzipiell so zuging. Und heute, in Zeiten von Fernsehen, Kino, Internet und Globalisierung, traut sich kaum noch ein Autor, einen Schauplatz ausführlich zu beschreiben weil er fürchtet seine Leser zu langweilen die das alles eh erst gestern im Fernsehen gesehen haben. Mal abgesehen davon dass selbst Leute die nicht mehr über New York wissen als das es existiert (unwahrscheinlich , aber mal angenommen), sich dort zurechtfinden würden solange sie irgendeine Stadt kennen. Öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants, Parks, Einkaufsstraßen, etc all das gibt es in jeder Stadt.

Aber trotz alledem gibt es meiner Meinung auch heute noch SCPs. Man muß sie nur suchen, sie sind nämlich dort wo man normalerweise nicht hinsieht. Es sind die Plätze abseits, unten drunter, Plätze die nur zeitweise existieren, Plätze die selbst schon eine Geschichte sind. Da mir der Gedanke auch erst gestern gekommen ist, bin ich eher noch bei der Theorie, aber ein paar praktische Beispiele sind mir doch schon eingefallen. Möglicherweise mach ich eine eigene Kategorie von Einträgen unter dem Resourcen-Tag (Tag wie Stichwort, nicht wie Nacht) daraus, mal sehen. Für heute nur ein paar Beispiele ohne weitere Ausführung:

– Wanderzirkus
– das Netz der Kanäle und Keller und überbauter Hausreste unter jeder größeren Stadt.
– Das Haus, das von aussen aussieht wie all die anderen Häuser in der Strasse, das innen aber eingerichtet ist, als stünde es am anderen Ende der Erdkugel.
– Dachböden
– alte Innenhöfe, abgelegene kleine Parks

Ich denke die Idee ist klar, auch wenn ich heute wie ich fürchte einen eher unleserlichen Stil an den Tag gelegt habe, mein Hirn ist noch immer nicht wieder ganz zu Kräften gekommen, sorry.

Grüße
WS

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From → LMGA, Schreibhandwerk

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