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Europa und Amerika

16. Juni 2011

…oder: gemütlich und energiegeladen

Ich lese gerade den ersten Band der sogenannten Millenium-Trilogie. Wer es nicht weiß, Stieg Larsson hat die drei Bücher nur zum Vergnügen geschrieben und sich daher wohl nicht ernsthaft Gedanken um die möglichen Meinungen von Lesern oder Verlagslektoren gemacht. Veröffentlicht wurden sie dann erst nach seinem (frühen) Tod.
Ich weiß nicht ob es daran liegt oder nicht, aber es ist wirklich auffällig, dass er sich beim Erzählen ganz ungeniert Zeit läßt. Er schreibt schon mal eine Seite lang, wie sein Protagonist alltägliche Dinge einkaufen geht. Oder seine Sachen nach einem Umzug in den Kästen seiner neuen Bleibe verstaut. Und nicht weil er das als Vehikel benutzt, um den Protagonisten zu charakterisieren oder aus sonst einem schreibtechnischen Grund. Sondern einfach weil sein Protagonist das eben gerade gemacht hat zu diesem Zeitpunkt.

Ich schreibe immer mit potentiellen Lesern im Hinterkopf und daher auch immer ein bisschen mit der Angst, selbige zu langweilen. Weil Regel Nummer eins für Leute die Unterhaltungsbücher schreiben ist nun mal: Unterhalte deine Leser!
Aber offensichtlich gilt auch hier die Regel, dass man Regeln nicht so wichtig nehmen sollte. Man muß dem Leser nicht ständig Unterhaltung bieten, man kann auch mal eine Seite Alltäglichkeiten aufs Papier bringen, ohne dass die Leser das Buch gleich in den Mistkübel entsorgen. Find ich irgendwie beruhigend.

Wobei, wäre Larsson Amerikaner gewesen und nicht Schwede, ich glaube nicht dass sich ein Verlag für die Bücher gefunden hätte. Auch wenn sich europäische Autoren (und ich beziehe mich jetzt nur auf Unterhaltungsliteratur) hin und wieder ein wenig Geschätzigkeit erlauben und man es ihnen auch nicht übel nimmt, ich kenne keine in Amerika geschriebene Unterhaltungsliteratur, die sich dass erlauben würde. Gibt es vermutlich auch, aber nicht veröffentlicht weil die Verlagslektoren das nicht akzeptieren würden. Zumindest ist das mein Eindruck.
Dasselbe gilt meiner Meinung nach übrigens auch für Filme, in etwas abgewandelter Form. Europäer gehen gelassener an die Dinge heran, oder so.

Zur Vermeidung von Missverständnissen: ich würde jetzt keine der beiden Arten aus Prinzip bevorzugen, es gibt da und dort gute und schlechte Bücher und Filme. Ich finde nur, dass sich darin eine grundlegende Verschiedenheit in der Einstellung offenbart. Oder so. Ende der völkerkundlichen Philosophiestunde. Und aus.

Grüße
WS

WCFED:  1758

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