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Die Stimme

24. Mai 2011

… Mein Name ist Stimme, Erzähl Stimme.

Der Großteil der von mir geschätzten Bücher besitzt abgesehen von einer spannenden Handlung und interessanten Charakteren noch ein drittes Charakteristikum: eine prägnante Erzählstimme. Entweder weil sie in Ich-Form aus der Sicht eines der Protagonisten oder eines Boswells erzählt sind, oder weil die Erzählstimme des Autors gewissermassen ein Eigenleben und vor allem eine eigene sicht der Dinge besitzt und sich nicht scheut diese auch niederzuschreiben. Das heißt jetzt nicht, dass ich nicht auch Bücher zu schätzen wüßte, wo die Erzählstimme mehr einer Kamera gleicht und alles einfach nur kommentarlos wiedergibt. (Wobei auch solche Kameras durchaus manipulativ sein können, alleine durch die Auswahl der Szenen die sie wiedergeben, oder durch den gewählten Ausschnitt.)

Bücher die aus einer bestimmten Sicht erzählt sind, dürfen sich in meinen Augen auch eher den einen oder anderen Lapsus was Handlung und Charaktere betrifft erlauben, als solche die das nicht tun. Wobei ich eine ironische oder humorvolle Sichtweise bevorzuge. Moralinsaure oder belehrende Erzählstimmen allerdings brauchen schon eine extrem gute Geschichte dass ich sie mir antue. Da ist mir dann doch eine Kamerastimme lieber.

Wer schon mehr in diesem Blog gelesen hat, wird – hoffentlich – zustimmen, dass meine Blog-Erzählstimme keine von der Kamerasorte ist, sondern eine (selbst)ironisch-humorvolle. Zumindest wenn mich nicht gerade die gerechte Wut über irgendetwas packt, oder der Alltagsfrust, oder sonst irgendetwas meine zarte, empfindsame Künstlerseele aus dem inneren Gleichgewicht gebracht hat. Was schon mal vorkommt. Gut, einigen wir uns darauf, dass ich eine ironisch-humorvolle Erzähstimme zumindest anstrebe? Also meistens?

Jedenfalls strebe ich eine solche Stimme auch für mein Buch an. Da es aber nicht in der ersten Person geschrieben ist, wo es mir relativ leicht fällt in so einer Stimme zu schreiben, sondern in der dritten, habe ich damit ein ziemliches Problem. Erstens ist es in einem Blog, der ja per se schon zum Großteil aus Meinungen und Ansichten besteht, wesentlich leichter Meinungen und Ansichten unterzubringen als in einem Buch, dessen Nicht-Dialogteile zur Gänze aus Beschreibungen bestehen. Zweitens habe ich jetzt gerade den Faden verloren und weiß nicht mehr, was ich unter zweitens schreiben wollte. Dang!
Egal, dann eben ohne zweitens weiter. Wenn ich eine Szene für das Buch schreibe, habe ich selbige im Kopf wie einen Filmszene, oder eine Erinnerung an etwas Beobachtetes. Wenn ich sie nun auf das Papier bringe, dann versuche ich das automatisch immer in der Art einer Kamera: ich beschreibe einfach was der Reihe nach passiert und füge dazwischen die Dialoge (oder auch inneren Monologe) ein, wenn welche passieren. Und erst im Nachhinein, beim Überarbeiten und sofern mir etwas einfällt dass ich für witzig halte, bekommt die Erzählstimme in dieser Szene etwas Farbe. Oder eben auch nicht.

Eine eher unbefriedigende und unzuverlässige Methode. Wie wenn man einer glatten Betonmauer nachträglich mit der Hilti ein wenig Struktur verpasst damit sie nicht ganz so häßlich ist. Oder einen platten Bericht nachträglich in eine Erzählung umwandelt. So und jetzt kommt endlich das worauf ich hinaus will: ich habe gestern wieder am Buch zu schreiben begonnen 1) und es mit folgendem Trick versucht: Ich habe dem ganzen eine kurze Vorstellung/Einleitung vorangestellt, wo sich die Erzählstimme als solche vorstellt. Vielleicht erleichtert das meinem Hirn ja, sich gleich daran zu erinnern, dass es eine Geschichte erzählt und nicht berichtet. Mal sehen.

Gruß
WS

1) Fallout spiele/modde ich immer noch, aber der Drang das zu tun, ist wieder auf ein Normalmaß gesunken. Witcher 2 ist zwar sehr fesselnd, die Kämpfe aber schon auf normaler Stufe eher schwer und die unwillig reagierende Steuerung macht es auch nicht besser.

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