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LMGA: Wortschatz

29. März 2011

…alles tulli?

Das jemand, der das Schreibhandwerk ausübt, sich selbiges wesentlich erleichtert, wenn er einen großen Wortschatz sein eigen nennt, dürfte selbsterklärend sein. Je mehr Worte man kennt, desto leichter lassen sich unschöne Wortwiederholungen und unpräzise Ausdrücke vermeiden. Wobei man sich in diesen beiden Fällen noch ganz gut mit einem Synonymlexikon behelfen kann. Mußte man in den Zeiten vor dem Internet selbiges noch gegen gutes Geld erwerben gibt es derlei heute gratis im Internet oder sowieso schon im Textverarbeitungsprogramm integriert. Einfach Synonym und das gewünschte Wort in die Suchmaschine eintippen und man bekommt die Vorschläge frei Bildschirm geliefert. Wenn auch, zugegeben, teilweise recht kuriose: Synonym für schreiben: Gedanken vertexten. Ah, ja. Ich persönlich finde ja schon den Ausdruck „jemanden etwas texten“ gewöhnungsbedürftig. Obwohl das Prinzip aus einem Hauptwort ein Zeitwort zu machen etwas Verführerisches hat. „Ich muß noch schnell buchregalen“ statt „Ich muß noch schnell die Bücher ins Regal räumen“ ist eindeutig die kürzere Formulierung. Die Zukunft wird zeigen ob sich das durchsetzt.

Zurück zum eigentlichen Thema. Neben dem allgemeinen Wortschatz gibt es auch spezifische. Nicht von ungefähr bieten Sprachschulen Kurse  für „technisches Kauderwelschisch“ oder „Geschäftskauderwelschisch“ an. Selbst am Stammtisch würde einem auffallen, wenn man denn darauf achtete, dass sich der Tischler teilweise anderer Wörter für das selbe Ding bedient als der Historiker, der Schmied und der Beamte.  Schreibende Vollprofis berücksichtigen derlei auch, wenn sie Dialoge schreiben. MGAs wie meinereiner haben auch ohne solche Feinheiten schon genug Mühe, lesetaugliche Dialoge zu schreiben (mh noch ein Thema fürs LMGA). Aber man sollte zumindest im Hinterkopf behalten dass es auch für Buchcharaktere je einen passiven Wortschatz (Wörter die sie verstehen) und einen aktiven Wortschatz (Wörter die sie verwenden) gibt.

Das bisher Geschriebene gilt mehr oder weniger im realen Leben genauso wie in Büchern. Aber in Büchern gibt es noch eine dritte Kategorie von Wortschatz: den genrespezifischen. Ein Highfantasyelf wird kaum sagen: „Ich geh mal schnell das Gebüsch checken, macht derweil schon mal das Fresspaket auf.“ Und eine Dame im Wien um 1860 wird nicht sagen „Hey, das ist cool!“

[Die Frage, was sie stattdessen sagen würde, ist übrigens der Grund für diesen Eintrag. Ich habe gestern 20 Minuten in der allwissenden Müllhalde (kennt noch wer die Fraggles?) namens Internet gestöbert, auf der Suche nach einem passenden Synonym. Und bin sogar fündig geworden: tulli ist das Wort dass am ehesten dem heutigen cool entspricht. ]

Wer also an einer Geschichte schreibt die nicht in der Jetztzeit spielt, sollte auch das im Hinterkopf behalten. In meinem Fall, ein fiktives Wien zweite Hälfte 19tes Jahrhundert, habe ich damit begonnen mir eine Liste mit entsprechenden Worten anzulegen. Gewissermaßen ein genrespezifisches Synonymwörterbuch. Von alles paletti bin ich damit zwar noch weit entfernt aber ganz so blümerant ist mir zumindest nicht mehr zu Mute als wie ich auf dieses Problem gestoßen bin.

Das war es auch schon wieder.

Grüße
WS

WCFED: 4815

 

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From → LMGA, Schreibhandwerk

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