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Der leidende Künstler

10. März 2011

… oder: Schreiben darf auch Spaß machen.

Beim Rumsurfen letzte Woche bin ich hier auf diesen Eintrag gestoßen:

-Zitat-

Am Rande einer Lesung wurde mir folgendes erzählt:

Der B. erzählt mir immer, wie super er sich fühlt, wenn er schreibt. Also, ich fühle mich beim Schreiben gar nicht super, ich muss mich echt dazu zwingen.

Da habe ich die N. gefragt, wie es ihr geht. Und die hat gesagt, ihr geht es auch immer schlecht wenn sie schreibt. Aber, hat sie gesagt, wenn sie nicht schreibt, dann geht es ihr echt Scheiße.

-Zitat Ende-

Der Eintrag und besonders der zweite Absatz hat mich geärgert/wütend gemacht. Wobei ich mir nicht sicher war warum, was mich in Folge zum Nachdenken gebracht hat.

Wenn man in diesem Text das „schreiben“ durch „trinken“ ersetzt liest sich das ganze plötzlich wie ein Auszug einer Unterhaltung der anonymen Alkoholiker, zumindest der zweite Absatz. Was ein wenig traurig ist und noch kein Grund zum Ärgern. Warum habe ich mich dann trotzdem geärgert? Sicher bin ich mir noch nicht, aber ich glaube deshalb, weil die Tatsache, dass diese eigentlich traurige Unterhaltung unter Schriftstellern in einem Blogeintrag eines Schriftstellers steht. Ich finde das provokant. Als ob man stolz darauf sein könnte ein (leidender) Suchtabhängiger zu sein nur weil das Ergebnis vielleicht Kunst hervorbringt, oder gute Texte. Was ja noch nicht einmal gesagt ist. Aber selbst wenn, ist es noch immer kein Grund damit hausieren zu gehen als ob es sich um einen Tapferkeitsorden erworben im Verdienst um die hehre Kunst handeln würde.

Da ich dazu neige, gelegentlich auch über mein Nachdenken nachzudenken, muß ich fairerweise sagen, dass ich eine irrationale Abneigung gegen Leute habe, die für irgendetwas leiden – wahrscheinlich habe ich selber einen Hang dazu, wie es meist bei derlei Abneigungen ist, aber ich gehe wenigstens nicht damit angeben. Vermutlich war der Eintrag also vom Eintragenden gar nicht so gemeint wie ich ihn interpretiert habe. Wobei sich mir dann die Frage stellt wie er denn gemeint war. Oder, wenn nicht gemeint, warum dann überhaupt? Egal.

Kurz, ich bin der Meinung, dass Leute denen Schreiben (prinzipiell) Spaß macht, deswegen nicht schlechter schreiben. Und das mir die Einstellung (die ich vielleicht ungerechtfertigterweise hinter diesem Eintrag vermute): „Wenn du nicht Blut und Wasser geschwitzt hast bei jedem einzelnen Satz, dann ist deine Schreibe nichts wert!“ gehörig auf den Geist geht.

Normalerweise versuche ich ja hilfreiche oder zumindest unterhaltsame Einträge zu verfassen und nicht herumzulamentieren, aber das mußte raus. Tut leid, bitte um Verzeihung.

Grüße
WS

WCFED: 2138

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