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LMGA: Charakternamen

8. März 2011

Schmied der Schneider, Weber der Bauer und Mayer der Müller gingen zu Wampe dem Wirt auf ein Bier.

Eigentlich gibt es nur eine einzige Regel für die Namen von Buchcharakteren: Sie müssen passen. (Was auch der große Unterschied zu Namen im realen Leben ist.) Eine schöne, einfache und leicht zu merkende Regel. Wenn man allerdings versucht „passen“ zu definieren, wird es gleich wesentlich weniger einfach. Ich werde es mal mit einem systematischen Lösungsansatz probieren.

Wozu müssen die Charakternamen passen?

zum Genre. Man stelle sich vor, Frodo Beutlin hätte Gustavo Alamantes geheissen. Eher unvorstellbar oder? Was bei einem High Fantasy Roman sofort einleuchtet, gilt in abgeschwächter Form aber auch für alle anderen Genres. Hätte Heidi nicht Heidi sondern Jacqueline geheissen, wer weiß ob die beiden Bücher dann so erfolgreich gewesen wären. Abgesehen davon, dass der Titel „Jacquelines Lehr- und Wanderjahre“ beim Leser möglicherweise völlig falsche Erwartungen an den Inhalt geweckt hätte.

zum Charakter. Anders als im realen Leben, wo man die eine Hälfte des Namens erbt und auf die andere Hälfte auch keinen Einfluß hat, sollte in Büchern der Name zum Charakter passen. Ein amerikanischer Privatdetektiv namens Ben Smith ist um ein ganzes Eck uncooler als einer mit Namen Philip Marlowe. Aber Vorsicht, „zum Charakter passen“ ist eine diffizile Angelegenheit. Nur weil der Held amerikanischer Privatdetektiv ist, muß er noch keinen coolen Namen haben. Er könnte sich schließlich auch um einen uncoolen amerikanischen Privatdetektiv handeln. Man sollte sich der Gefahr bewußt sein, dass Genrekonventionen hier unbemerkt Einfluß ausüben, auch wenn man vorhat, genau diese zu durchbrechen weil man etwas Neues schreiben will. Kurz, der eigentliche Charakter des Charakters kommt vor eventuellen Genrekonventionen wenn es um die Namensgebung geht.

zum Milieu. Ein österreichischer Privatdetektiv wird nicht Greg Connor heissen. Ausser der Autor liefert einen plausiblen Grund dafür. Zum Beispiel weil der Charakter Sohn/Enkel eines amerikanischen Soldaten ist, der nach dem Krieg hier geblieben ist. Genug Geld und Englischkenntnisse um nach Amerika auszuwandern hat Greg nicht, aber eine Vorliebe für Detektivgeschichten. Also macht er das beste daraus und eröffnet in Linz eine Detektei. Oder so.

Abgesehen von der Hauptregel gibt es noch ein paar Nebenregeln, die aber eher in die Kategorie „jo eh“ fallen:

Die Namen der Charaktere sollten leicht unterscheidbar sein. Ein Josef Mayer und ein Joseph Mayr im selben Buch machen es dem Leser unnötig schwer. Ausnahme ist, der Autor will den Leser absichtlich verwirren. Was aber meist keine gute Idee ist. Leser wollen nicht verwirrt werden.

Die Namen sollten nicht unnötig kompliziert oder lang sein. Zumindest nicht ohne guten Grund. Ist schon im realen Leben mühsam genug mit den Doppelnamen heutzutage (zumindest wenn man so wie ich, ebensolche in größerer Menge in einem EDV-System erfassen muß). Also muß man nicht auch noch in Bücher mit Namen wie Karl-Gustav Wertensteinheim-Braggendorf Zeilen schinden. Wobei wieder gilt: ausgenommen man hat einen guten Grund. Sagen sie mal laut:“Bond, James Bond“ und dann:“Wertensteinheim-Braggendorf. Karl-Gustav Wertensteinheim-Braggendorf.“ Eben.

Zum Schluß keine eigentliche Regel aber eine Empfehlung: Namen die einen gewissen Rythmus haben sind in der Regel einprägsamer als welche die holpern wenn man sie ausspricht. Emma Peel, John Steed, Wolfgang Amadeus Mozart, haben Rhythmus. Die ersten zwei einen „Badamm“ der letzte einen „Bada Bada Bada“, unterschiedlich aber rhythmisch. Kevin Brest hingegen (Bada Bng) klingt flach. Finde ich zumindest. Bitte um Entschuldigung, falls jemand irgendwo auf der weiten Welt tatsächlich mit diesem Namen herumläuft und das hier liest.

Das war es auch schon wieder für heute liebe Leute.

Grüße
WS

WCFED: 1423

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2 Kommentare
  1. Nina permalink

    Wieder einmal ein derartig genialer Eintrag, dass ich das auch ganz offen kundtun muss!
    Bravo! Weiter so!

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