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LL: Shades of Grey (Fforde, Jasper)

11. Januar 2011

Original: Das ist das Original, bislang keine deutsche Übersetzung

Von all den Büchern die ich 2010 gelesen habe, hat mich Jasper Ffordes „Shades of Grey“ am meisten beeindruckt. Was erstaunlich ist, denn „Shades of Grey“ gehört keinem meiner drei bevorzugten Genres (Fantasy, Krimi, Science Fiction) an, sondern ist am ehesten noch ein Entwicklungsroman. Und dieses Genre hat für mich den unangenehmen Beigeschmack meist nur langweilige, literarisch wertvolle (ja , liebe Leser, ich weiß, dass das gerade eine Tautologie war) Bücher hervorzubringen. Insoferne ist es gut, dass ich nicht wirklich was über das Buch wusste, als ich es gekauft habe, sonst hätte ich es wohl bleiben lassen. Offenbar hatte auch Fforde selbst Probleme seinem Verlag dieses Buch schmackhaft zu machen, wenn ich sein Nachwort richtig interpretiere. Denn was auch immer man vom Buch halten mag, es ist anders als die anderen Ffordes.

Fforde, der mit der Thursday Next Reihe (Fantasy/Science Fiction-Krimis für Bibliophile) bekannt und berühmt wurde, hat sich mit „Shades of Grey“ auf ein neues Terrain gewagt. Da mir bisher alle seine Bücher gefallen haben (die letzten Thursday Next nicht mehr so, dafür aber die zwei „Nursery Crime Division“ Bände wieder ausgezeichnet, und auch „The last Dragonslayer“) habe ich auch „Shades of Grey“ erstanden, ohne mich viel über den Inhalt zu informieren. Dementsprechend hat mich der Anfang des Buches auch verwirrt, so als ob man in eine alte vertraute Strasse einböge und plötzlich lauter neue Häuser und Verkehrsschilder vorfände. Und auch jemand der ohne Erwartungen zu lesen begänne, wäre am Anfang wohl etwas verwirrt. Denn die Alternativwelt, die Fforde hier entwirft ist, zumindest auf den ersten Blick, höchst befremdlich. Die Gesellschaftsordnung wird vom Farbspektrum bestimmt. Die meisten Menschen können nur eine einzige Farbe mehr oder weniger gut sehen, viele sehen überhaupt alles nur in Grautönen. Der gesellschaftliche Status wird dadurch bestimmt, wie gut man seine Farbe sehen kann, was in einem Test ermittelt wird, der auch den Beginn der Volljährigkeit markiert. Weiters ist auch von Bedeutung, ob man eine der Primärfarben sehen kann, oder eine „gemischte“ Farbe, also eigentlich zwei Farben.

Auch das Währungssystem das auf einer komplexen Mechanik von positiven und negativen „Feedbacks“ (in etwa: Bewertungen) beruht, erscheint zu Anfang recht verwirrend. Auch weil sich diese Währung in eine offizielle und in eine nicht offizielle teilt. Dazu kommen noch eine Menge befremdlicher Regeln und Gepflogenheiten. Kurz es ist eine komplexe neue Welt in die man mit dem Erzähler Edward Russet (Teenager und ein „Roter“), eintaucht.

Über die eigentliche Handlung werde ich wie immer nichts verraten, schließlich ist das eine Rezension für Leute die gerne lesen und nicht für solche die gerne so tun, als würden sie gerne lesen. Eines muss ich aber noch los werden, auch auf die Gefahr hin, seltsam zu klingen. Viele Bücher liest und liebt man, weil sie einem eine Variation einer mehr oder weniger vertrauten Welt und Handlung bieten, die zu schätzen man gelernt hat. Krimiserienleser werden wissen wovon ich spreche. Man wird einige Stunden gut unterhalten, sieht alte Bekannte wieder oder macht eine neue Bekanntschaft. Aber man weiß sich sicher, dass sich nicht plötzlich ein Abgrund in der Straße auftut und dass das Panorama den Erwartungen entsprechen wird. Und dann gibt es Bücher wo man sich plötzlich in unbekanntem Terrain befindet, voll bizarrer Felsformationen und mit Reisegefährten die mehr werden als nur neue alte Bekannte. Mir jedenfalls ist es mit „Shades of Grey“ so ergegangen. Ich will wissen was hinter all dem steckt und wie es mit Edward Russett weitergeht, weil mich seine Geschichte nicht nur unterhalten, sondern mehr in mir angesprochen hat als nur meinen Hang zu guter Unterhaltung. Das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam und ich nehme stark an, dass es auch auf den jeweils Lesenden ankommt, aber Shades of Grey hat mir nicht nur auf intellektueller und gefühlsmäßiger Ebene eine Gute Zeit beschert. Was genau es gemacht hat, kann ich aber auch nicht sagen, nur dass es mich das Buch fasziniert. Ähnlich etwa wie American Gods von Neil Gaiman. Obwohl das ein ganz andres Buch ist.

Zum Schluss noch eine kleine Warnung: Shades of Grey ist der erste Teil einer Trilogie und endet daher mit einem leichten bis mittelschweren Cliffhanger. Es soll ja Leute geben, die mehrteilige Serien erst lesen wenn sicher gestellt ist, dass sie auch das Ende erfahren werden. Leider hat das auch den Effekt, dass manche Serien kein Ende erfahren, weil die Leute erst abwarten, ob sie zu einem Ende kommen. In diesem Fall empfehle ich aber trotzdem das Risiko einzugehen. Erstens steigt mit jedem verkauften Band die Chance auf Fortsetzung und zweitens ist auch das Buch für sich alleine absolut empfehlenswert, wenn man mich fragt.

Grüße
WS

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