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P wie Paketdienste

16. Dezember 2010

Das P aus dem Weihnachtsalphabet

Onlineshops erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, erlauben sie doch, zu jeder Zeit bequem vom Wohnzimmer aus alles denk- und undenkbare zu bestellen. Was zur Weihnachtszeit, wo das Wetter meist unfreundlich und die Geschäfte voll sind, noch zusätzlich an Attraktivität gewinnt.
Leider folgt auf den Einkauf in einem Onlineshop jedoch unweigerlich die Anspruchnahme eines zweiten Dienstleister: eines Paketdienstes. Im Folgenden für den Unwissenden eine nähere Definition dieser Dienste und der von ihnen angebotenen Leistung.

Der Paketdienst (im Volksmund auch als ‚Fluch der Weihnacht‘ oder ‚Geißel des 21sten Jahrhunderts‘ bezeichnet) ist ein Dienstleistungsbetrieb, der gegen ein Entgelt den Transport von Gegenständen anbietet. Diese Dienstleistung erfolgt wie folgt:

1. Der Paketdienst wird von einem Versender beauftragt, eine Sendung von A nach B zu transportieren.

2. Ein Fahrer holt (früher oder später) die Sendung bei A ab. Meistens zumindest.

3. Die Sendung wird mit verschiedensten Transportmitteln mehr oder weniger in Richtung B transportiert. Hierbei bedienen sich die Transportdienste sogenannter Depots, die gewissermassen die Bahnhöfe des Transportweges darstellen.
Hier ist anzumerken, dass die Dauer des Transports in keinerlei Zusammenhang mit der Entfernung zwischen A und B steht. Ein Transport von einem Stadtbezirk in den angrenzenten Bezirk derselben Stadt kann sieben Tage dauern (oder kürzer, oder länger), ein Transport von Amerika nach Europa vier Tage (oder kürzer, oder länger).

4. Irgendwann landet die Sendung dann in dem, dem Punkt B nächstgelegenen, Depot.

5. Dort wird sie wieder von einem Fahrer übernommen, der nun versucht die Sendung bei Punkt B dem Empfänger zu übergeben. Ausser die Witterungsverhältnisse lassen es nicht zu, oder im Lieferwagen ist kein Platz, oder der Fahrer hat einfach keine Lust.
Alternativ zur Übergabe des Pakets kann auch ein sogenannter Benachrichtungsschein hinterlegt werden, der dem Empfänger mitteilt, dass er sich sein Paket gefälligst selbst aus dem Depot abholen soll.
Diese Benachrichtigungsscheine werden hinterlassen wenn der Fahrer den Empfänger nicht antrifft, oder weil der Fahrer das Paket gar nicht mithatte, weil es im zu schwer oder groß war, oder weil er keine drei Stockwerke Stiegen steigen wollte.
Auch die Hinterlassung dieser Benachrichtigungen sind für den Fahrer optional, weil so ein an die Tür geklebter Zettel kann ja schon mal verloren gehen. (warum mußte eigentlich jeder einen für alle zugänglichen Postkasten anschaffen, wenn ihn ausser der Post niemand benützt?) Alternativ kann ein Benachrichtigungsschein auch einfach bei irgendeinem Kunden hinterlegt werden, der gerade in der Nähe ist und auch oder auch nicht ein Paket erwartet.
Wichtig ist nur, dass der Fahrer in so einem Fall in sein elektronisches Logbuch einträgt, dass er so einen Zettel hinterlegt hat, weil er den Empfänger nicht angetroffen hat. Ob das mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmt oder nicht ist völlig nebensächlich, was im Logbuch steht ist die Wahrheit. Punkt.

7. Der Empfänger versucht die entweder unleserliche Krakelei oder den verblassten Stempel auf dem Benachrichtigungszettel zu entziffern und holt sich sein Paket selber aus dem Depot. Dieser Schritt ist optional (aber sehr häufig) wenn das Paket den Empfänger nicht erreicht, Gründe siehe oben.

8. Das Paket erreicht den Empfänger nicht weil er nicht da war, oder weil er die Benachrichtigung nicht entziffern konnte, oder weil er nicht nur das Paket nicht zugestellt bekommen hatte sondern auch keine Benachrichtigung. In diesem Fall geht das Paket nach einiger Liegezeit (normalerweise 7 bis 14 Tage) im Depot wieder auf die Reise in Richtung des dem Absender nächstgelegenen Depots.

9. bitte bei 5. weiterlesen.

Meist bieten diese Dienste über Internet einen sogenannten Trackingdienst an, wo Absender und Empfänger den Weg der Sendung per Internetbrowser verfolgen können. Der Nutzen dieser Dienste ist jedoch, da basierend auf den Eingaben der Fahrer und offenbar von jemand programmiert, der der deutschen Sprache nicht sehr mächtig war, sehr eingeschränkt.
Dort kann man zum Beispiel lesen, dass die Sendung dreimal zugestellt wurde (wohl gemerkt eine Sendung). Entweder hat der Fahrer sie dem Empfänger zweimal wieder abgenommen weil er soviel Spaß beim Zustellen hatte oder das Ganze ist, weihnachtlich ausgedrückt, Humbug.
Auch der Satz: „Ihr Paket wurde bei Empfaenger zugestellt. Bitte holen Sie es dort ab.“ birgt eine gewisse Sinnfreiheit.

Alternativ zu den Trackingdiensten können verzweifelte Kunden auch gerne die kostenpflichtige Hotline anrufen, wo sie dieselben sinnlosen Auskünfte wie auf der Trackingseite erhalten, nur dass sie dafür eben bezahlen dürfen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, dass die Chance für eine Sendung auch tatsächlich in vertretbarer Zeit beim Empfänger anzukommen in der Vorweihnachtszeit dem Lotto vergleichbar sind: von 45 Sendungen schaffen es 6 zum tatsächlichen Empfänger und eine (die Zusatzzahl) landet zumindest noch bei irgendeinem Empfänger.

Pah Humbug!
WS

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From → Information

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