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I wie Inszenierung

9. Dezember 2010

Das I aus dem Weihnachtsalphabet

Unter Inszenierung (von griechisch σκηνή, skene: zu deutsch eigentlich „Zelt“) versteht man das Einrichten und die öffentliche Zurschaustellung eines Werkes oder einer Sache. (…) Im weiteren Sinne kann auch jede andere Form der bewusst eingerichteten Darstellung als Inszenierung bezeichnet werden.

(de.wikipedia.org)

Was hat Inszenierung mit Weihnachten zu tun? – Im schlimmsten Fall? Alles.

Wer in den Tagen vor Weihnachten durch die Stadt wandert, vorbei an den Auslagen voll Reisig, Lebkuchenhäuschen, Plastikbäumen mit künstlichem Schnee, hübschen Winterszenen mit Puppen, über sich die glitzernde und funkelnde Weihnachtsstrassenbeleuchtung;
Oder wer durch die Wohngegenden geht, mit all den dicken rotgesichtigen leuchtenden Weihnachtsmännern die an einem Seil hängend vier Wochen lang vergeblich versuchen über die Balkone oder Dächer ins Warme zu gelangen; mit den, in allen Farben des Regenbogens leuchtenden und blinkenden, Sternen, Schneeflocken, Weihnachtsbäumen und Girlanden.
Oder wer dann die Wohungen und Häuser betritt, mit den Kerzen (mit und ohne Duft) in den Fenstern und auf den Kaminsimsen (wer denn ein Kaminsimss sein eigen nennt), den Barbarazweigerln in den Vasen, dem Adventskranz auf dem Tisch, den Reisigzweigen an der Wand, den Mistelzweigen die von der Decke hängen…
Kurz, wer nicht blind, taub und seiner Riechfähigkeit durch heftigen Schnupfen beraubt ist, kann unter keinen Umständen umhin zu bemerken, dass Weihnachten naht. Voilà und quod erat demonstrandum:  Eine gelungene Inszenierung!

Die Frage ist nur: was wird hier eigentlich inszeniert? Oder genauer: was für ein „Weihnachten“ wird hier dar- und zur Schau gestellt? Das ursprüngliche christliche Weihnachtsfest? Nope. Beleuchtete Softdrinklastwägen die zu den Klängen von Jingle Bells durch verschneite Orte fahren und offensichtlich einen Exklusiv-Vertrag mit dem E-Werk haben, weil plötzlich die Lichter angehen wenn die Laster kommen, haben nichts mit der Geburt Christi zu tun. Und der größte Teil der weiter oben aufgezeigten Inszenierung auch nicht. Das Kommen des Lichts ist zwar zu Weihnachten ein wichtiges christliches Symbol, aber das in allen Regenbogenfarben glitzernde Lichtermeer unserer Tage hat jeglichen Symbolcharakter verloren. Und das rotnasige Rentiere nichts mit der christlichen Weihnacht zu tun haben, ist auch recht offensichtlich. Und so weiter.

Aber was wird dann inszeniert, wenn nicht die Geburt Christi? Ich weiß es auch nicht.

Aber mich beschleicht der Verdacht, dass die ganze Weihnachtsinszenierung nur dazu dient, einerseits Dinge zu verkaufen, die ohne Inszenierung niemand kaufen würde (rote Weihnnachtsmannmützen z Bsp.) und andererseits um die innere Leere und Sinnlosigkeit zu übertönen die einen an kalten, trüben und nassen Wintertagen so viel leichter überkommen kann, als wenn man im Sonnenschein unter blauen Himmel durch das Leben stiefelt. Oder so.

irritierte Grüße
WS

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2 Kommentare
  1. Nina permalink

    Nunja. Fast…aber eben nicht ganz meine Meinung.
    Einerseits stimmt das alles. Die Inszenierung ist auf den Konsum ausgelegt. Jedes Jahr ein bißchen mehr. Und jedes Jahr nervt es ein bißchen mehr immer wieder zu hören, wie zufrieden „der Handel“ (wer ist das überhaupt…“der Handel“? Ein Monster? Ein Gott?) mit den Zuwächsen im zweistelligen Prozentbereich ist. Gleich nach den fürchterlichen Weltnachrichten und der gefühlten millionsten Wiederholung von „Laaaast Christmas“ in der Saison. (Ob wohl den Leutchen klar, ist, wie traurig dieser Text ist?)
    Yuck!
    ABER…und jetzt kommt das kleine bißchen „aber“ – es mag klein sein, aber durchaus da:
    Je näher es an Weihnachten geht, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, dass doch etwas magisches an diesem Fest ist. Ganz ohne Geschenke, ohne Plastikleiternerklimmende Weihnachtsmänner (natürlich aus Plastik und Dank der Kabel natürlich Sondermüll weil wertvoll verwertbar). Einfach eine gewisse Stille, ein bißchen Weihnachtsfriede, der was mit der menschlichen Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit zu tun hat.
    Liebe, Zuversicht, Hoffnung und Dankbarkeit.
    Einfach so.
    Am Leben zu sein, genug zu essen und trinken haben, ein Dach über dem Kopf und einen Job um das alles zu finanzieren. Und natürlich die Menschen, die zu meinem Rudel gehören – in welcher Form auch immer. Und wenn ich dann auch noch ein Geschenk habe, dass ich ihnen geben kann um zu zeigen, dass sie mir was bedeuten – umso besser!
    (Manchmal gelingt das eben nicht so leicht, aber der Wille muß manchmal auch reichen.)

    DAS ist dann wirklich Weihnachten für mich. So richtig triefender sentimentaler Psychokitsch! Wunderbar! Ich steh dazu!

    • Kompromissvorschlag: Zu Weihnachten feiert man, das, was es ausmacht ein Mensch zu sein. Und dass man ein Mensch ist, und am Leben, trotz des unerfreulichen Wetters.

      ABER: Weihnachten ist heutzutage wie eine übervolle Pralinenschachtel mit einer wundervoll schmeckenden Praline unter einer Unmenge grausliger bis bestenfalls mittelmäßiger Pralinen. Und statt nur die eine wundervolle zu essen, mampfen die meisten die ganze Schachtel auf, in der Meinung mehr ist besser. Und dann fällt ihnen gar nicht mehr auf, wie gut die eine wundervolle Praline schmeckt, weil ihre Geschmacksnerven schon ganz taub sind von den restlichen. Oder so. Glücklich zu schätzen, wer die eine Wundervolle noch erkennt und geniessen kann 😉

      (Meinen Hang zu Vergleichen finde ich manchmal selber beängstigend. Egal.)

      lg
      WS

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