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Das Huhn und das Ei

17. August 2010

oder: Was war zuerst: die Charaktere oder die Geschichte

Ich habe während des Urlaubes zwar nichts geschrieben, aber gar nicht ans Schreiben zu denken habe ich auch nicht fertig gebracht. Abgesehen von ausführlichen Feldstudien (4te Staffel Bones) habe ich auch noch ein wenig in zwei Büchern geschmökert: „Stilkunst“ von Ludwig Reiners und „The Complete Writers Guide to Heroes & Heroines. Sixteen Master Archetypes“ von Tami d. Cowden, Caro LaFever und Sue Viders.

Wobei mich die „Stilkunst“ absolut fasziniert hat, auch wenn ich noch nicht allzu weit mit dem Lesen gekommen bin. Darüber wird es hier mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zu lesen geben. 

Das Buch über die Archetypen hatte ich schon früher einmal angeschmökert, oder zumindest ein Ähnliches, bin mir da nicht sicher. Dieses hier hatte mir Frau Wortschmied in die Hände gedrückt nachdem ich ihr von meinen Problemen mit dem jüngsten Kapitel erzählt hatte. Die ihrer Meinung nach nicht zuletzt darin begründet sind, dass ich mir über meine Protagonisten und ihre Motivation nicht im Klaren bin.

Wenn man einen Roman schreibt, braucht man unausweichlich zweierlei Dinge, was den Inhalt angeht: handelnde Personen und eine persönliche Handlung. Wobei ich ‚persönliche’ hier in erster Linie der Symmetrie wegen geschrieben habe. Gemeint ist: eine Handlung, die den Personen ihnen entsprechende Herausforderungen bietet.

Die Idee zu einem Roman kann alles Mögliche sein, eine Situation, eine gesellschaftlicher Umstand oder eben eine bestimmte Person oder Handlung über die man gerne schreiben würde. Was auch immer die Grundidee, den Zündfunken liefert, nicht viel später muss sich der  MGA Gedanken über die Personen und die Handlung machen.

Wie ich schon angedeutet habe, sind diese beiden Elemente allerdings in sehr hohem Maß voneinander abhängig. Etwas, das man als MGA möglicherweise allzu leicht vergisst. Ich zum Beispiel bin ein „Handlung zuerst“ Typ. Ich versuche mir eine möglichst interessante und fesselnde Geschichte auszudenken und dann erfinde ich die handelnden Personen je nach Bedarf dazu. Diese werden von den Erfordernissen der Geschichte einerseits und von meinen persönlichen Vorlieben andererseits definiert. Was zur Folge hat, dass es ihnen ein wenig, oder auch etwas mehr, an Kontur und Tiefgang mangelt.

Es ist nicht so, als könnte ich nicht die Lebensgeschichte jeder Person erzählen oder die Frage nach ihrem Lieblingsgericht beantworten (etwas was ich einmal in einem anderen Lehrbuch gelesen habe, dass man können sollte) denn die Antworten auf diese Fragen einigermaßen passend – und sei es aus dem Stehgreif – zu erfinden ist selbst für einen MGA wie mich nicht wirklich ein Problem. Aber die Lieblingsspeise und zu einem großen Teil auch die Lebensgeschichte einer Figur sind lediglich Symptome deren Ursache in der Persönlichkeit liegt. Für die Zwecke eines MGAs stark vereinfacht ausgedrückt würde ich sagen: Persönlichkeit wird durch drei Dinge definiert: das zugrundeliegende Lebensziel einer Person (Liebe, Reichtum, Freiheit, etc), die Art wie sie versucht es zu erreichen (zielstrebig, skrupellos, mäandernd, durch Intellekt, durch Kraft, etc) und wie sie sich dabei ihren Mitmenschen gegenüber verhält (freundlich, instrumentalisierend, helfend, misanthropisch, feindlich, etc).

Wenn man wie ich die Figuren nach Vorlieben und Handlungsnotwendigkeiten erfindet, dann ergeben sich daraus auch schon einige Persönlichkeitsmerkmale. Nachdem ich jetzt das bislang Geschriebene daraufhin durchgelesen habe, sogar mehr als ich gedacht hätte. Das Problem ist, dass irgendwann, früher als von mir gedacht, der Punkt kommt, an dem man diese Merkmale ansehen und aus Ihnen die Persönlichkeit der Figuren destillieren muss. Andernfalls man in Gefahr läuft, ein Buch mit ziemlich schizophrenen Figuren zu schreiben. Zwar nicht im Extrem aber doch genügend um unangenehm aufzufallen.

Außerdem hat die Kenntnis der Persönlichkeiten seiner Figuren auch den großen Vorteil, dass sich auch daraus schon einiges an Handlung und interessanten Konflikten ergibt. Ist man sich als MGA erst einmal bewusst, dass man zwei Charaktere zusammengespannt hat, von denen einer die Dinge lieber erst gründlich überlegt angeht und der andere der „Augen zu und durch“ Typ ist,… ich denke es ist klar was ich meine.

Soweit die Neuesten „eh-klar“ Erkenntisse,

over and out
WS

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From → Schreibhandwerk

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