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Infodump

6. Juli 2010

oder Exposition, wie es geheißen hat, als Pseudolatein noch cooler war als Pseudoenglisch

Was für eine Art Texte immer man auch schreibt, Geschäftsbriefe,  Blog, Roman, Gedicht, etc und pipapo, früher oder später kommt man nicht umhin, den Leser mit Informationen zu füttern, damit er nicht mit einer Menge Fragezeichen um seinen Kopf schwirrend in seinem Sessel sitzt. Eine Rechnung ohne Angabe der Leistung/Lieferung dessen, was da verrechnet wird, wird beim Empfänger nicht wirklich gut ankommen. (und beim Finanzamt noch viel weniger.) Bei Geschäftspost wie Rechnungen hat sich für derlei eine formelhafte Sprache eingebürgert (zahlbar bei Erhalt, etc), bei erzählenden Texten muss der Autor selber schauen, wie er seine für das Verständnis des Textes notwendigen Hintergrundinformationen an die Frau und den Mann bringt, ohne selbige zu langweilen. Was gar nicht so einfach ist.

War es vor hundert Jahren noch Gang und gäbe seitenweise Beschreibungen eines Ortes abzuliefern, kann man das heute nicht mehr machen, ohne dass sich der Leser verwundert fragt, ob er irrtümlich einen Reiseführer gekauft hat. Was aber tun, wenn gewisse Eigenheiten eines Ortes zum Verständnis der Handlung notwendig sind? Davon ausgehen, dass alle wissen wie der Straßenplan von Manhattan aufgebaut ist (rechtwinkelig und durchnummeriert), kann ins Auge gehen. Also muss man diese Information irgendwie an den Leser vermitteln, möglichst ohne ihn zu langweilen oder – noch schlimmer – belehrend zu erscheinen.

Wer sich jetzt erwartet einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten des kunstvollen Infodumpings serviert zu bekommen, der hat offensichtlich den anfänglichen Infodump dieses Blogs (im ersten Post bzw. unter dem Link ‚Über diesen Blog’ zu finden) nicht gelesen bzw. gelangweilt übersprungen. Was zeigt, dass ich kein besonders guter Infodumper bin, und daher keinen solchen Überblick liefern kann, QED.

 Aber für ein paar nonchalant verallgemeinernde Bemerkungen über das Thema reicht meine Kenntnis der Materie aus, und hier sind sie.

Wie man Informationen übermittelt ohne zu langweilen

  • Verkaufe die Informationen als uraltes Geheimwissen einer uralten Geheimgesellschaft. Kaum jemand kann widerstehen, wenn er ein Geheimnis erzählt bekommt. Funktioniert ausgezeichnet in gewissen amerikanischen Thrillern, die zu ziemlich gleichen Teilen aus atemberaubender Aktion und ausgedehnten ‚Geheimwissen’-Infodumps bestehen. Und sonst aus nichts. (Und ja, auch ich lese sie hin und wieder trotzdem)
  • Lass zwei Charaktere unterschiedlicher Meinung oder Einstellung über die Information diskutieren. Ein guter Streit zieht die Leute auch an, siehe Nachmittagsprogramm im Fernsehen.
  • Lass den Bösewicht dem Helden die Information erzählen. Ist zwar nicht originell, aber der Leser (und der Kinogeher) ist es gewohnt und nimmt es als notwendiges Übel hin. Wobei die Akzeptanz eines solchen Vorgehens unter Agententhrillerlesern stark erhöht ist.
  • Mach einen Zeitungsartikel daraus, den ein Charakter liest. Das hat den Vorteil, dass man die Information ohne viel Drumherum einfach abliefern kann, weil der Leser von einem Zeitungsartikel nur Information erwartet und es ihn nicht stört, wenn er genau nur das bekommt. Auch wenn es kein echter Artikel und keine echte Information ist. Muß etwas mit der menschlichen Psychologie zu tun haben. Glaub ich.
  • Lass einen Charakter einen Witz darüber machen. Zugegeben nur eingeschränkt praktikabel, weil erstens muss einem der Witz erst einfallen und zweitens lässt sich nicht allzu viel Information in einem Witz unterbringen…
    … Mh, man könnte einen Charakter einem Standup-Comedian zuhören lassen. Da kann man ungestraft mehrere Witze aneinanderreihen und da Standup-Comedians oft das alltägliche Leben auf die Schaufel nehmen, kann man so auch eine relativ breite Palette Hintergrundinformationen an den Leser bringen. Die Idee ist mir zwar gerade erst beim Tippen gekommen aber ich muss sagen, sie gefällt mir. Das Problem, die entsprechenden Witze erst erfinden zu müssen ist allerdings schon ein gewisses Minus bei der Methode.
  • Gib dem Leser erst einmal keinerlei Hintergrundinformationen. Nach ein paar Seiten ist er dir so dankbar, wenn er endlich erfährt um was es eigentlich geht, dass es egal ist, wie du ihm die Information servierst. Erfordert ein sehr gutes Timing, sonst kommt der Leser erst gar nicht bis zu der Stelle wo die Informationen stehen, weil er das Buch schon vorher verärgert gegen die Wand gepfeffert hat. Aber es ist machbar.

So, mehr fällt mir dazu nicht ein, obwohl ich in den letzten Wochen aus gegebenem Anlass immer wieder über Methoden der kunstvollen Informationsweitergabe nachgedacht habe. Im Endeffekt läuft es wohl darauf hinaus, dass man den Leser ruhig mit Informationen langweilen kann, solange man es auf eine interessante Art und Weise tut. (Aber geh!) Oder man macht ihn trickreich erst so neugierig auf die Information, dass er dankbar ist wenn er sie bekommt, egal wie er sie dann bekommt.

Für Anregungen, Tipps und Bemerkungen zum Thema bin ich dankbar.

Grüße
WS

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2 Kommentare
  1. Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres

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