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Das innere Wörterbuch

1. Juli 2010

private Definitionen

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass es nur mir mit meinem verqueren Hirn so geht, aber eigentlich glaube ich das nicht. Wenn ich bestimmte Wörter lese oder höre, dann verbinde ich bei einigen davon sofort und unwillkürlich eine gewisse Definition, die nichts oder nur sehr wenig mit der zu tun hat, die man in einem offiziellen Wörterbuch finden würde.

Beispiele:

einmalige Gelegenheit = Betrugsversuch 

herausragendes Design = das Ding kostet mehr und kann weniger

(und weil ich es nicht lassen kann)
literarisch wertvoll = ein Text mit herausgeputzter, glattpolierter Sprache ohne Handlung; fad

Ich könnte die Liste noch fortsetzen, aber ich denke es ist klar, was ich meine. Im Prinzip sind diese inneren Wörterbücher ja weiters kein Problem, solange man sich ihrer bewusst ist. Und sich bewusst ist, dass andere Leute ganz andere Definitionen in ihren inneren Wörterbüchern stehen haben können. 

Für einen MGA kann das innere Wörterbuch allerdings schon zum Problem werden. Meiner Erfahrung nach insbesondere dann, wenn es um Namen geht. Hier ist das Problem zwar weniger die Definition die man mit zum Beispiel Kunigunde (altertümlicher Vorname) verbindet, als die Assoziationen die man bei bestimmten Namen hat, weil man jemanden kennt der so heißt.

Ich hätte zum Beispiel Schwierigkeiten damit, eine meiner Figuren Harriet zu nennen. Wobei ich nicht einmal jemanden kenne der so heißt. Aber Harriet ist der Name einer meiner literarischen Lieblingsheldinnen (wer die Dame kennenlernen möchte, möge die Krimis von Dorothy L. Sayers lesen). Würde ich in einer meiner Geschichten eine Harriet auftreten lassen, dann müsste ich mich ziemlich anstrengen, ihr nicht dieselben Charaktereigenschaften zu verpassen, wie Harriet Vane sie bei Dorothy L. Sayers hat. Dasselbe gilt noch viel mehr für Namen von realen Menschen die ich gut kenne. Wobei, es kommt schon auch darauf an. Ich kenne zwar drei Franzens gut bis sehr gut (gibt es bei Namen eine Mehrzahl?) aber da die drei sehr unterschiedlich sind, verbinde ich nicht die Eigenschaften eines bestimmten Franz mit dem Namen. Aber wenn ich nur eine Person mit einem bestimmten Namen (gut) kenne, dann wird es für mich wirklich schwierig, über eine fiktive Person mit demselben Namen zu schreiben, ohne sie unwillkürlich der echten Person ähnlich zu machen.

Und ja ich weiß, es gibt eine große, wenn man sich nicht auf einen bestimmten Kulturkreis beschränkt eine noch größere, Menge Vornamen. Das Problem einen zu finden mit dem man nichts assoziiert ist also nicht gerade ein Unüberwindliches. Aber es ist ein interessantes und etwas über das Menschsein aussagendes. Oder so. Oder nicht?

Grüße
WS

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