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Der MGA und die Emoticons

5. Mai 2010

Eine Betrachtung von Prof. Dr. Dr. Wortschmied

Vor Kurzem habe ich, wie man das als MGA so macht bevor man weiterschreibt, den bei der letzten Schreibsitzung getippten Text durchgelesen. Um wieder in den Text hinein zu kommen und auch noch ein paar vielleicht bislang übersehene Rechtschreib- und sonstige Fehler auszubessern. Ich lese so vor mich hin und traue plötzlich meinen Augen nicht, als eine meiner Figuren im Dialog am Ende des Satzes plötzlich ein 😉 Smiley verwendet. Das hat mir dann doch sehr zu denken gegeben. Erstens über die Figur (was glaubt der Kerl wo er ist? Auf Facebook?) und zweitens über meine Schreibgewohnheiten. 

Wenn sich zwei Personen von Angesicht zu Angesicht unterhalten, dann stehen ihnen außer der Sprache auch noch Stimmmodulation und Körpersprache zur Verfügung um zu kommunizieren. Was die Verständigung im Normalfall erheblich einfacher und mißverständnisfreier macht. Unterhält man sich jedoch mit einer Person schriftlich, stehen diese zusätzlichen Kommunikationsmittel nicht zur Verfügung. Jahrhundertelang mussten sich die armen Briefschreiberinnen (zur Abwechslung mal die weibliche Form, damit es nicht noch heißt ich wäre ein Genderist) redlich abmühen ihre Texte so zu verfassen, dass die Empfängerin aus dem Textkontext erkennen konnte, wenn die Schreiberin etwas ironisch meinte oder einen Witz machen wollte. Und dann kam das Internet mit seinen Chats und Foren. Und das Smiley und der Rest der Emoticons wurde geboren. Und schon brauchte man nicht mehr witzig zu sein, es reichte einfach ein 🙂 ans Ende des Satzes zu stellen. 

Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt ich hätte etwas gegen Emoticons: Ich finde, dass sie eine absolut geniale Erfindung sind, gewissermaßen Körpersprache-Stenographie. Und ich habe auch keinerlei Hemmungen, sie zu verwenden. Was aber im Chat oder in einem Forumspost in Ordnung ist, ist es in einem Dialog in einem Buch nicht. Ich würde zwar fast darauf wetten, dass irgendein irregeleiteter Avantgardist schon einen Roman mit Emoticondialogen geschrieben hat, aber meiner Meinung nach ist das nicht avantgardistisch sondern nur Faulheit oder mangelndes Können. Ein Autor sollte sein Handwerk so gut beherrschen, dass er Dialoge schreiben kann, in denen Witz und Ironie ohne Emoticons auskommen. Was zugegeben nicht immer ganz einfach ist. Aber ein Schmied macht auch nicht einfach eine Parierstange aus Plastilin (Knete) auf das Schwert, nur weil das einfacher zu formen ist als Stahl. Da muss man die Zähne zusammenbeißen und so lange hämmern bis es passt, ob jetzt auf den Stahl oder in die Tasten. Das hat noch nicht einmal etwas mit Kunst, Kultur oder Stil zu tun, das ist einfach nur beherrschen des Handwerks. Ugh, ich habe gesprochen!

So, und jetzt gehe ich schriftlich lustig sein üben. 😉

Grüße
WS

Wikipedia über Emoticons: Link

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From → Schreibhandwerk

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