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Von Wortschmieden, Gschichtldruckern und Universalgenies

3. Mai 2010

Oder: Es gibt solche und solche, der Unterschied ist die Absicht

Der Urlaub ist vorbei und wie versprochen gibt es einen neuen Blogeintrag. Sollte das jetzt jemanden erstaunen dann wären wir zwei. Ich war mir nämlich selber nicht sicher, wie sich eine Woche fern vom Schreibtisch auf mein schreibbezügliches Engagement auswirken würde. Wie es scheint, hat die Pause aber keine negativen Auswirkungen gehabt. Kapitel zwei nähert sich definitiv der Fertigstellung, ich schätze noch zwei Sitzungen und meine werten Testleserinnen dürfen sich wieder ins Paralleluniversum im Jahre 18.. begeben. (Hat eigentlich ausser mir noch jemand so alte Schinken gelesen, in denen die Jahreszahl mit zwei Punkten angegeben wurde um anzudeuten, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, deren nähere Umstände jedoch wegen der Implikationen für noch lebende Personen oder gar das Wohl des Königreiches nicht weiter präzisierbar sind?)

Aber um auf den Titel des Eintrags zu kommen bevor meine Leser die Geduld verlieren: am Wochenende hat es sich ergeben, dass Frau Wortschmied und meine Wenigkeit mit ein paar anderen Schreibern zusammen saßen. Wo sich wieder gezeigt hat, dass es Unterschiede gibt und Schreiber nicht gleich Schreiber ist. Frau Wortschmied zum Beispiel schüttelt auf Anfrage drei verschiedene Geschichten zu einem beliebigen Thema aus dem Ärmel ohne auch nur ins Schwitzen zu geraten. Während meine Wenigkeit so seine liebe Mühe hat, überhaupt einen Plot zu erfinden, geschweige denn einen, der mir auch noch interessant genug erscheint, erzählt zu werden. Weshalb ich mich auch sehr glücklich schätze, das Frau Wortschmied mir da selbstlos aushilft. Es gibt Schreiber die tun sich leicht komplexe Handlungen zu erzählen, und welche, denen liegen pointierte Kurzgeschichten mehr. Die einen schreiben erst drauf los und bessern dann dreimal so lange an Ihrem Text herum, die anderen gehen mit Bedacht vor und überlegen sich jeden Satz erst dreimal, bevor sie ihn tippen und bessern dafür nachher kaum mehr etwas aus. Und so weiter und so fort.

So weit, so klar, so nicht wirklich überraschend oder neu die Erkenntnis.

Was die Schreiber (männliche und weibliche natürlich, ich bin nur zu faul dauernd ‚Innen’ zu tippen, abgesehen davon dass ich das ästhetisch unbefriedigend finde. Irgendjemand sollte sich mal hinsetzen und ein geschlechtsneutrales Vokabular erfinden, fände ich weitaus sinnvoller als ständig den Einsatz von ss und ß umzudefinieren.) Ähhh, wo war ich? Ah ja: Was die Schreiber aber wirklich in zwei Lager teilt, so scheint es mir zumindest, ist die Absicht. Spaß macht das Schreiben allen, sonst täten sie es nicht. Die einen aber schreiben in erster Linie für sich selbst, und die anderen schreiben in erster Linie weil sie gelesen werden wollen. Und schon ist sie da, die Diskussion über Kunst und Kommerz.
Einem wahren Künstler muss es in erster Linie um das Werk gehen, sagen die für sich selber Schreiber. Wenn man beim Schreiben schon die potenziellen Leser im Hinterkopf hat, dann verrät man die Reinheit der Kunst.
Zum Wesen eines Textes gehört es, dass er gelesen wird, und zwar nicht nur vom Schreiber selber. Wenn ein Text nicht gelesen wird, ist er wertlos, sagen die anderen.

Ich würde es ja vorziehen, weder für die eine noch für die andere Seite Partei zu ergreifen, schon weil ich aus Erfahrung weiß, dass man das Thema und seine Variationen stundenlang diskutieren kann, und sich danach immer noch nur einig ist, dass man sich nicht einig ist. Da die Leserzahl dieses Blogs aber überschaubar ist (und Kommentare vom Bloginhaber freigegeben werden müssen, hehe) riskiere ich doch eine Aussage: Ich schreibe nicht um der Kunst willen. Ich schreibe (hoffe ich) nicht nur für mich selber. Ich schreibe aber auch nicht um gelesen zu werden. Ich schreibe, weil ich mir keinen besseren Beruf vorstellen kann als den des Autors. Schreiben und dafür bezahlt zu werden, fände ich sagenhaft cool, um es salopp auszudrücken. Und ja, ich weiß, dass es nicht mehr(?) cool ist, cool zu sagen, ist mir aber wurscht. Soll heißen, solange ich dafür bezahlt werde, können die Leute das Buch auch gerne dazu verwenden das wackelige Nachtkastel zu stabilisieren statt es zu lesen. Wobei ich es zugegeben vorziehen würde sie würden es lesen, weil schließlich und überhaupt. Aber im Zweifelsfalle und weil man nicht alles haben kann, ist für mich auch der Erwerb zwecks Möbelumsturzabsicherung ausreichend.

So nun ist es raus, und jede Menge Text hat es gebraucht: Ich bin ein Schreibmaterialist. Aber nur weil ein Tischler für einen Stuhl bezahlt wird, heißt dass noch lange nicht, dass der Stuhl nichts taugt. Und ob man sich nachher daraufsetzt oder den Stuhl nur herumstehen hat, ist dem Tischler vermutlich auch weitgehend schnurz, solange man ihn dafür bezahlt. Was also ist gegen Schreiber einzuwenden, die Schreiben nicht als Kunst sondern als Handwerk betrachten? Wenn sie Mist produzieren wird es ihnen gehen wie allen Handwerkern die schlechte Arbeit abliefern. Und wenn sie gute Arbeit machen, dann wird diese ja nicht schlecht nur weil sie dafür bezahlt werden, oder?

So! Wäre das auch gesagt.

Wünsche guten Abend, Morgen, Tag, was auch immer.

Grüße
WS

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From → Schreibhandwerk

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