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First Draft

19. April 2010

… oder die Kunst zu schreiben ohne zu korrigieren.

Wie schon erwähnt schreibe ich zur Zeit am first draft (=erste Rohfassung, für Leute die mit Englisch nichts anfangen können oder wollen) eines Steampunkthrillers. Allen (=die ich gelesen habe) Anleitung zum erfolgreichen Schreiben zu Folge soll man sich bei der ersten Fassung nicht viel Sorgen machen ausser der einen: das Ding bis zum Ende aufs Papier zu bringen. Klingt erst einmal recht einfach, ist es aber nicht. Zumindest für mich nicht. Wer noch nicht viel Übung im Schreiben hat, wird schnell feststellen, dass die spannenden, traurigen, lustigen, romantischen und so weiter Szenen, die er im Kopf hat, sobald sie am Papier respektive Bildschirm stehen, plötzlich nicht mehr spannend, traurig etc etc sind, sondern oft einfach nur holprige, langweilige Beschreibung des Geschehens. Zugegeben, die Einschätzung des Autors wie sein Text wirkt, ist sehr subjektiv, und eventuell ein wenig übertrieben, aber trotzdem nicht von der Hand zu weisen. Es gibt nämlich sehr wohl auch die seltenen (bei einem Möchtegernautor wie mir zumindest seltenen) Momente, wo man das gerade Geschriebene liest und das  Gefühl hat: ja das passt. Ein sehr gutes Gefühl übrigens, dieses Gefühl. Aber meist ist dem leider nicht so, besonders nicht bei der ersten Fassung.

Wenn man dann auch noch ein wenig perfektionistisch (warum höre ich da Stimmen ‚Untertreibung des Monats‘ murmeln?) veranlagt ist, kann es eine Menge Überwindung kosten, diesen holprigen Text einfach holprig sein zu lassen und weiter zu schreiben. Zumindest kurz drüber gehen, wirklich nur ganz kurz, nur diesen einen fürchterlichen Satz über fünf Zeilen ausbessern, wirklich, dann schreib ich auch schon weiter. NEIN! Nicht drüber gehen, gleich weiter schreiben. Oder man sitzt zwei Monate später immer noch am ersten Kapitel.

Ich helfe mir mittlerweile mit einem Trick. Ich stelle mir vor, das Buch ist ein Computerspiel. (Das Buch selbst, nicht das Buch schreiben) Die werden in drei Stufen entwickelt: erst die Alphaversion, dann die Beta und dann der Releasecanditat. Die erste Fassung eines Buches ist wie die Alphaversion: Nur und ausschliesslich dazu da, zu sehen, ob das ganze überhaupt funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat. Ob die Geschichte ‚trägt‘, ob irgendwo ein großer Logikfehler ist, ob die Charaktere ‚funktionieren‘. Mir hilft es seltsamerweise  wenn ich es so betrachte. Weil blöd ist es ja nicht, erst einmal festzustellen ob eine Sache (sprich die Charaktere, die Geschichte, das Setting, kurz: das Buch) prinzipiell was taugt, bevor man eine (noch größere) Menge Zeit und Arbeit hineinsteckt.

Das war es auch schon wieder.

Grüße,

WS

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From → Schreibhandwerk

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